Die Frage nach der Technik
Im folgenden fragen wir nach der Technik. Das Fragen baut an einem Weg. Darum ist es ratsam, vor allem auf den Weg zu ach- ten und nicht an einzelnen Sätzen und Titeln hängenzubleiben. Der Weg ist ein Weg des Denkens. Alle Denkwege führen, mehr oder weniger vernehmbar, auf eine ungewöhnliche Weise durch die Sprache. Wir fragen nach der Technik und möchten dadurch eine freie Beziehung zu ihr vorbereiten. Frei ist die Beziehung, wenn sie unser Dasein dem Wesen der Technik öffnet. Entspre- chen wir diesem, dann vermögen wir es, das Technische in seiner Begrenzung zu erfahren.
In the following, we inquire concerning technology. Questioning constructs a pathway. Hence it is prudent above all to attend to the pathway rather than linger upon isolated sentences and titles. The pathway is one of thinking. All pathways of thinking lead - more or less audibly - through language in an extraordinary manner. By questioning technology, we seek to prepare a free relationship to it. This relationship becomes free when it opens our existence to the essence of technology. Should we correspond to this essence, we become capable of experiencing the technical within its delimitation.
Die Technik ist nicht das gleiche wie das Wesen der Technik. Wenn wir das Wesen des Baumes suchen, müssen wir gewahr werden, daß jenes, was jeden Baum als Baum durch waltet, nicht selber ein Baum ist, der sich zwischen den übrigen Bäumen an- treffen läßt.
Technology is not equivalent to the essence of technology. When we seek the essence of a tree, we must become aware that what pervades every tree as tree is not itself a tree that could be encountered among other trees.
So ist denn auch das Wesen der Technik ganz und gar nichts Technisches. Wir erfahren darum niemals unsere Beziehung zum Wesen der Technik, solange wir nur das Technische vorstellen und betreiben, uns damit abfinden oder ihm ausweichen. Über- all bleiben wir unfrei an die Technik gekettet, ob wir sie lei- denschaftlich bejahen oder verneinen. Am ärgsten sind wir je- doch der Technik ausgeliefert, wenn wir sie als etwas Neutrales betrachten; denn diese Vorstellung, der man heute besonders gern huldigt, macht uns vollends blind gegen das Wesen der Technik.
Thus, the essence of technology is in no way anything technical. We therefore never experience our relationship to the essence of technology so long as we merely represent and pursue the technical, resign ourselves to it, or evade it. Everywhere we remain unfreely chained to technology, whether we passionately affirm or deny it. Yet we are delivered over to technology most direly when we regard it as something neutral; for this conception, to which today’s thought is particularly inclined, renders us utterly blind to technology’s essence.
Als das Wesen von etwas gilt nach alter Lehre jenes, was et- was ist. Wir fragen nach der Technik, wenn wir fragen, was sie sei. Jedermann kennt die beiden Aussagen, die unsere Fra- ge beantworten. Die eine sagt: Technik ist ein Mittel für Zwek- ke. Die andere sagt: Technik ist ein Tun des Menschen. Beide Bestimmungen der Technik gehören zusammen. Denn Zwek- ke setzen, die Mittel dafür beschaffen und benützen, ist ein menschliches Tun. Zu dem, was die Technik ist, gehört das Verfertigen und Benützen von Zeug, Gerät und Maschinen, ge- hört dieses Verfertigte und Benützte selbst, gehören die Bedürf-
According to ancient doctrine, the essence of something is what that something is. To inquire concerning technology is to ask what it is. Everyone knows the two statements that answer our question. One says: technology is a means to ends. The other says: technology is a human activity. These two definitions of technology belong together. For to posit ends, procure means for them, and employ them is a human activity. What belongs to technology as such includes the fabrication and utilization of equipment, tools, and machines, the fabricated and utilized things themselves, the needs and ends they serve. The totality of these contrivances is technology. Technology itself is a contrivance - in Latin, an instrumentum.
nisse und Zwecke, denen sie dienen. Das Ganze dieser Einrichtungen ist die Technik. Sie selber ist eine Einrichtung, lateinisch gesagt: ein instrumentum.
The prevailing conception of technology, according to which it is a means and a human activity, may therefore be called the instrumental and anthropological definition of technology.
Die gängige Vorstellung von der Technik, wonach sie ein Mittel ist und ein menschliches Tun, kann deshalb die instrumentale und anthropologische Bestimmung der Technik heißen.
Who would deny its correctness? It is patently aligned with what meets the eye when one speaks of technology. The instrumental definition of technology is even uncannily correct, such that it still applies to modern technology - which, otherwise, is often rightly claimed to be something fundamentally different from earlier craft-based technology. The power plant with its turbines and generators is likewise a humanly fabricated means to a humanly posited end. The jet aircraft and high-frequency apparatus are also means to ends. To be sure, a radar station is less simple than a weathervane. To be sure, the production of a high-frequency machine requires the interlocking of various technical-industrial production processes. To be sure, a sawmill in a remote Black Forest valley is a primitive means compared to the hydroelectric plant on the Rhine.
Wer wollte leugnen, daß sie richtig sei? Sie richtet sich offenkundig nach dem, was man vor Augen hat, wenn man von Technik spricht. Die instrumentale Bestimmung der Technik ist sogar so unheimlich richtig, daß sie auch noch für die moderne Technik zutrifft, von der man sonst mit einem gewissen Recht behauptet, sie sei gegenüber der älteren handwerklichen Technik etwas durchaus Anderes und darum Neues. Auch das Kraftwerk ist mit seinen Turbinen und Generatoren ein von Menschen gefertigtes Mittel zu einem von Menschen gesetzten Zweck. Auch das Raketenflugzeug, auch die Hochfrequenzmaschine sind Mittel zu Zwecken. Natürlich ist eine Radarstation weniger einfach als eine Wetterfahne. Natürlich bedarf die Verfertigung einer Hochfrequenzmaschine des Ineinandergreifens verschiedener Arbeitsgänge der technisch-industriellen Produktion. Natürlich ist eine Sägemühle in einem verlorenen Schwarzwaldtal ein primitives Mittel im Vergleich zum Wasserkraftwerk im Rheinstrom.
Yet it remains correct: even modern technology is a means to ends. Therefore, the instrumental conception of technology governs every attempt to bring humanity into the right relationship to technology. Everything depends on handling technology as a means in the appropriate manner. As it is said, one wants to “get technology spiritually in hand.” One wants to master it. The will to mastery becomes all the more urgent the more technology threatens to slip from human control.
Es bleibt richtig: auch die moderne Technik ist ein Mittel zu Zwecken. Darum bestimmt die instrumentale Vorstellung von der Technik jede Bemühung, den Menschen in den rechten Bezug zur Technik zu bringen. Alles liegt daran, die Technik als Mittel in der gemäßen Weise zu handhaben. Man will, wie es heißt, die Technik »geistig in die Hand bekommen«. Man will sie meistern. Das Meistern-wollen wird um so dringlicher, je mehr die Technik der Herrschaft des Menschen zu entgleiten droht.
But suppose now that technology is no mere means: how then would matters stand with the will to master it? Yet we did say that the instrumental definition of technology is correct. Undeniably.
Gesetzt nun aber, die Technik sei kein bloßes Mittel, wie steht es dann mit dem Willen, sie zu meistern? Allein, wir sagten doch, die instrumentale Bestimmung der Technik sei richtig. Gewiß.
1954: (Wirtschaft - Bedarfsdeckung - Konsum) Industrie. Das erhöhte Konsumpotential
1954: (Economy - need fulfillment - consumption) Industry. The heightened consumption potential
Das Richtige stellt an dem, was vorliegt, jedesmal irgend etwas Zutreffendes fest. Die Feststellung braucht jedoch, um richtig zu sein, das Vorliegende keineswegs in seinem Wesen zu enthüllen. Nur dort, wo solches Enthüllen geschieht, ereignet sich das Wahre. Darum ist das bloß Richtige noch nicht das Wahre. Erst dieses bringt uns in ein freies Verhältnis zu dem, was uns aus seinem Wesen her angeht. Die richtige instrumentale Bestimmung der Technik zeigt uns demnach noch nicht ihr Wesen. Damit wir zu diesem oder wenigstens in seine Nähe gelangen, müssen wir durch das Richtige hindurch das Wahre suchen. Wir müssen fragen: was ist das Instrumentale selbst? Wohin gehört dergleichen wie ein Mittel und ein Zweck? Ein Mittel ist solches, wodurch etwas bewirkt und so erreicht wird. Was eine Wirkung zur Folge hat, nennt man Ursache. Doch nicht nur jenes, mittels dessen ein anderes bewirkt wird, ist Ursache. Auch der Zweck, demgemäß die Art der Mittel sich bestimmt, gilt als Ursache. Wo Zwecke verfolgt, Mittel verwendet werden, wo das Instrumentale herrscht, da waltet Ursächlichkeit, Kausalität.
The correct establishes something accurate about whatever is present at hand. However, this establishment need not - in order to be correct - ever unveil the present-at-hand in its essence. Only where such unveiling occurs does the true come to pass. Thus, the merely correct is not yet the true. Only the latter brings us into a free relationship to what concerns us from out of its essence. The correct instrumental definition of technology accordingly still does not show us its essence. To arrive at this essence - or at least near it - we must seek the true by passing through the correct. We must ask: what is the instrumental itself? To what does a means-end framework belong? A means is that through which something is effected and thereby attained. What brings about an effect is called a cause. Yet not only that by means of which another thing is effected counts as cause. The end in accordance with which the kind of means is determined is also considered a cause. Where ends are pursued and means employed, where instrumentality prevails, there causality holds sway.
Seit Jahrhunderten lehrt die Philosophie, es gäbe vier Ursachen: 1. die causa materialis, das Material, der Stoff, woraus z.B. eine silberne Schale verfertigt wird; 2. die causa formalis, die Form, die Gestalt, in die das Material eingeht; 5. die causa finalis, der Zweck, z.B. der Opferdienst, durch den die benötigte Schale nach Form und Stoff bestimmt wird; 4. die causa efficiens, die den Effekt, die fertige wirkliche Schale erwirkt, der Silberschmied. Was die Technik, als Mittel vorgestellt, ist, enthüllt sich, wenn wir das Instrumentale auf die vierfache Kausalität zurückführen.
For centuries, philosophy has taught that there are four causes: 1. the causa materialis, the material, the matter from which, for example, a silver chalice is fabricated; 2. the causa formalis, the form, the shape into which the material enters; 3. the causa finalis, the end, for example, the sacrificial rite that determines the required chalice’s form and material; 4. the causa efficiens, which brings about the effect, the finished actual chalice, namely the silversmith. Technology, when represented as a means, reveals itself when we trace the instrumental back to fourfold causality.
Wie aber, wenn sich die Kausalität ihrerseits in dem, was sie ist, ins Dunkel hüllt? Zwar tut man seit Jahrhunderten so, als sei die Lehre von den vier Ursachen wie eine sonnenklare Wahrheit vom Himmel gefallen. Indessen dürfte es an der Zeit sein zu fragen: weshalb gibt es gerade vier Ursachen? Was heißt in Bezug auf die genannten vier eigentlich »Ursache«? Woher bestimmt sich der Ursachecharakter der vier Ursachen so einheitlich, daß sie zusammengehören?Solange wir uns auf diese Fragen nicht einlassen, bleibt die Kausalität und mit ihr das Instrumentale und mit diesem die gängige Bestimmung der Technik dunkel und grundlos.
But what if causality itself shrouds in darkness what it is? For centuries, we have acted as if the doctrine of the four causes had fallen from the heavens like a sunlit truth. Yet perhaps it is time to ask: why precisely four causes? What does "cause" mean in relation to these four? From where does the causal character of the four causes derive such unity that they belong together? So long as we do not engage with these questions, causality—and with it the instrumental, and thereby the customary determination of technology—remains obscure and groundless.
Man pflegt seit langem die Ursache als das Bewirkende vorzu- stellen. Wirken heißt dabei: Erzielen von Erfolgen, Effekten. Die causa efficiens, die eine der vier Ursachen, bestimmt in maßge- bender Weise alle Kausalität. Das geht so weit, daß man die causa finalis, die Finalität, überhaupt nicht mehr zur Kausalität rech net. Causa, casus, gehört zum Zeitwort cadere, fallen, und bedeu- tet dasjenige, was bewirkt, daß etwas im Erfolg so oder so ausfällt. Die Lehre von den vier Ursachen geht auf Aristoteles zurück. Im Bereich des griechischen Denkens und für dieses hat jedoch alles, was die nachkommenden Zeitalter bei den Griechen unter der Vorstellung und dem Titel »Kausalität« suchen, schlechthin nichts mit dem Wirken und Bewirken zu tun. Was wir Ursache, die Römer causa nennen, heißt bei den Griechen αίτιον, das, was ein anderes verschuldet. Die vier Ursachen sind die unter sich zusammengehörigen Weisen des Verschuldens. Ein Beispiel kann dies erläutern.
It has long been customary to conceive the cause as that which effects. Here, "effecting" means achieving results, effects. The causa efficiens, one of the four causes, determines all causality in a decisive manner. This goes so far that the causa finalis, finality, is no longer counted as causality at all. Causa, casus, belongs to the verb cadere, to fall, and signifies that which brings it about that something turns out one way or another in its outcome. The doctrine of the four causes traces back to Aristotle. Yet within the realm of Greek thought—and for this thought—everything that subsequent epochs sought among the Greeks under the rubric of "causality" has absolutely nothing to do with effecting and producing. What we call "cause" and the Romans causa is called αίτιον (aitia) by the Greeks, that which another is indebted to. The four causes are the interrelated modes of being indebted. An example may clarify this.
Das Silber ist das, woraus die Silberschale verfertigt ist. Es ist als dieser Stoff (ύλη) mitschuld an der Schale. Diese schuldet, d.h. verdankt dem Silber das, woraus sie besteht. Aber das Opfer- gerät bleibt nicht nur an das Silber verschuldet. Als Schale er scheint das an das Silber Verschuldete im Aussehen von Schale und nicht in demjenigen von Spange oder Ring. Das Opfergerät ist so zugleich an das Aussehen (είδος) von Schalenhaftem ver- schuldet. Das Silber, worein das Aussehen als Schale eingelassen ist, das Aussehen, worin das Silberne erscheint, sind beide auf ihre Weise mitschuld am Opfergerät.
Silver is that from which the silver vessel is fashioned. As this material (ὕλη), it is co-indebted to the vessel. The vessel is indebted—i.e., owes—to the silver that out of which it consists. Yet the sacrificial vessel is not only indebted to the silver. As a vessel, what is indebted to the silver appears in the aspect of a vessel, not that of a brooch or ring. Thus, the sacrificial vessel is simultaneously indebted to the aspect (εἶδος) of vessel-ness. The silver, into which the aspect as vessel is set, and the aspect in which the silver appears, are both co-indebted to the sacrificial vessel in their respective ways.
Schuld an ihm bleibt jedoch vor allem ein Drittes. Es ist jenes, was zum voraus die Schale in den Bereich der Weihe und des Spendens eingrenzt. Dadurch wird sie als Opfergerät umgrenzt. Das Umgrenzende beendet das Ding. Mit diesem Ende hört das Ding nicht auf, sondern aus ihm her beginnt es als das, was es nach der Herstellung sein wird. Das Beendende, Vollendende indiesem Sinne heißt griechisch τέλος, was man allzuhäufig durch »Ziel« und »Zweck«e übersetzt und so mißdeutet. Das τέλος, ver- schuldet, was als Stoff und was als Aussehen das Opfergerät mit- verschuldet.
However, a third thing remains primarily indebted to it: that which delimits the vessel in advance into the domain of consecration and offering. Through this, it is circumscribed as a sacrificial vessel. The delimiting completes the thing. With this completion, the thing does not cease; rather, from it the thing begins to be what it will be after its making. The completing, perfecting in this sense is called τέλος (telos) in Greek—a term too often rendered as "goal" or "purpose" and thereby misinterpreted. The τέλος is indebted to that which, as material and as aspect, co-indebts the sacrificial vessel.
Schließlich ist ein Viertes mitschuld am Vor- und Bereitliegen des fertigen Opfergerätes: der Silberschmied; aber keineswegs da- durch, daß er wirkend die fertige Opferschale als den Effekt eines Machens bewirkt, nicht als causa efficiens.
Finally, a fourth is co-indebted to the presencing and readiness of the finished sacrificial vessel: the silversmith. Yet this is not because he, as effecting, brings forth the finished sacrificial vessel as the result of a making—not as causa efficiens.
Die Lehre des Aristoteles kennt weder die mit diesem Titel genannte Ursache, noch gebraucht sie einen entsprechenden griechischen Namen.
Aristotle’s doctrine knows neither the cause designated by this title nor employs a corresponding Greek name.
Der Silberschmied überlegt sich und versammelt die drei ge- nannten Weisen des Verschuldens. Überlegen heißt griechisch λέγειν, λόγος. Εs beruht im ἀποφαίνεσθοα, zum Vorschein bringen. Der Silberschmied ist mitschuld als das, von wo her das Vorbrin- gen und das Aufsichberuhen der Opferschale ihren ersten Aus- gang nehmen und behalten. Die drei zuvor genannten Weisen des Verschuldens verdanken der Überlegung des Silberschmieds, daß sie und wie sie für das Hervorbringen der Opferschale zum Vorschein und ins Spiel kommen.
The silversmith deliberates and gathers the three aforementioned modes of indebtedness. To deliberate is called λέγειν (legein), λόγος (logos) in Greek. It resides in ἀποφαίνεσθαι (apophainesthai), bringing to appearance. The silversmith is co-indebted as that from which the bringing-forth and resting-upon-itself of the sacrificial vessel first originate and endure. The three previously mentioned modes of indebtedness owe to the silversmith’s deliberation that they—and how they—come to appearance and into play for the production of the sacrificial vessel.
In dem vor- und bereitliegenden Opfergerät walten somit vier Weisen des Verschuldens. Sie sind unter sich verschieden und gehören doch zusammen. Was einigt sie im voraus? Worin spielt das Zusammenspiel der vier Weisen des Verschuldens? Woher stammt die Einheit der vier Ursachen? Was meint denn, grie- chisch gedacht, dieses Verschulden?
Thus, in the presencing and ready sacrificial vessel, four modes of indebtedness hold sway. They are distinct yet belong together. What unifies them in advance? Wherein does the interplay of the four modes of indebtedness occur? From where does the unity of the four causes arise? What, then, does this indebtedness mean when thought Greekly?
Wir Heutigen sind zu leicht geneigt, das Verschulden entwe- der moralisch als Verfehlung zu verstehen oder aber als eine Art des Wirkens zu deuten. In beiden Fällen versperren wir uns den Weg zum anfänglichen Sinn dessen, was man später Kausalität nennt. Solange sich dieser Weg nicht öffnet, erblicken wir auch nicht, was das Instrumentale, das im Kausalen beruht, eigentlich ist.
We moderns are all too prone to understand indebtedness either morally as transgression or to interpret it as a type of effecting. In both cases, we block the path to the primordial meaning of what was later called causality. So long as this path remains closed, we also fail to discern what the instrumental—which resides in the causal—truly is.
Um uns vor den genannten Mißdeutungen des Verschuldens zu schützen, verdeutlichen wir seine vier Weisen aus dem her,
To guard against the aforementioned misinterpretations of indebtedness, let us clarify its four modes from that which
was sie verschulden. Nach dem Beispiel verschulden sie das Vor- und Bereitliegen der Silberschale als Opfergerät. Vorliegen und Bereitliegen (ὑποκσείθαί) kennzeichnen das Anwesen eines An-wesenden. Die vier Weisen des Verschuldens bringen etwas ins Erscheinen. Sie lassen es in das An-wesen vorkommen. Sie lassen es dahin los und lassen es so an, nämlich in seine vollendete Ankunft. Das Verschulden hat den Grundzug dieses An-lassens in die Ankunft. Im Sinne solchen Anlassens ist das Verschulden das Ver-an-lassen. Aus dem Blick auf das, was die Griechen im Ver-schulden, in der airía, erfuhren, geben wir dem Wort »ver-an--lassen jetzt einen weiteren Sinn, so daß dieses Wort das Wesen der griechisch gedachten Kausalität benennt. Die geläufige und engere Bedeutung des Wortes »Veranlassung« besagt dagegen nur soviel wie Anstoß und Auslösung und meint eine Art von Nebenursache im Ganzen der Kausalität.
which they occasion. Following the example, they occasion the lying-before and lying-ready of the silver chalice as a sacrificial vessel. Lying-before and lying-ready (ὑποκσείθαί) characterize the presencing of what presences. The four modes of indebtedness bring something into appearance. They let it come forth into presencing. They release it into this arrival and let it arrive as such, namely into its completed advent. Indebtedness bears the fundamental trait of this letting-arrive into advent. In the sense of such letting-arrive, indebtedness is the letting-occasion. From the perspective of what the Greeks experienced in indebtedness, in αἰτία, we now give the word "letting-occasion" a broader sense, so that this term names the essence of causality as conceived by the Greeks. By contrast, the common and narrower meaning of "occasioning" signifies only something like a stimulus or trigger and refers to a kind of secondary cause within the totality of causality.
Worin spielt nun aber das Zusammenspiel der vier Weisen des Ver-an-lassens? Sie lassen das noch nicht Anwesende ins Anwesen ankommen. Demnach sind sie einheitlich durchwaltet von einem Bringen, das Anwesendes in den Vorschein bringt. Was dieses Bringen ist, sagt uns Platon in einem Satz des »Symposion« (205 6): ή γάρ τοι ἐκ τοῦ μη ὄντος εἰς το δν ἱόντι ότωοῦν αἰτία πασά έστι ποίησις.
But where does the interplay of the four modes of letting-occasion play itself out? They let what is not yet present arrive into presencing. Thus, they are unifiedly governed by a bringing that brings what presences into appearance. What this bringing is, Plato tells us in a passage from the Symposium (205 6): ή γάρ τοι ἐκ τοῦ μη ὄντος εἰς το δν ἱόντι ότωοῦν αἰτία πασά έστι ποίησις.
»Jede Veranlassung für das, was immer aus dem Nicht-Anwe-senden über- und vorgeht in das Anwesen, ist ποιησις, ist Her--vor-bringen.«
"Every occasioning for whatever proceeds from the non-presencing over and into presencing is ποίησις, is bringing-forth."
Alles liegt daran, daß wir das Her-vor-bringen in seiner ganzen Weite und zugleich im Sinne der Griechen denken. Ein Her-vor-bringen, ποιησις, ist nicht nur das handwerkliche Verfertigen, nicht nur das künstlerisch-dichtende zum-Scheinen- und ins-Bild-Bringen. Auch die φύσις, das von-sich-her Aufgehen, ist ein Her-vor-bringen, ist ποίησις. Die φύσις ist sogar ποίησις im höchsten Sinne. Denn das φύσει Anwesende hat den Aufbruch des Her-vor-bringens, z.B. das Aufbrechen der Blüte ins Erblühen, in ihr selbst (εν ἑαυτώ). Dagegen hat das handwerklich und künstle-risch Her-vor-gebrachte, z.B. die Silberschale, den Aufbruch desHer-vor-bringens nicht in ihm selbst, sondern in einem anderen (ἐν άλλω), im Handwerker und Künstler.
Everything depends on our thinking bringing-forth in its full breadth and simultaneously in the Greek sense. A bringing-forth, ποιησις, is not merely artisanal fabrication, nor merely the artistic-poetic bringing into appearance and into the image. Even φύσις, the self-emerging arising, is a bringing-forth, is ποίησις. Indeed, φύσις is ποίησις in the highest sense. For what presences by φύσις has the irruption of bringing-forth—for example, the irruption of the blossom into bloom—within itself (εν ἑαυτῷ). By contrast, what is brought forth through craftsmanship and art—for example, the silver chalice—has the irruption of bringing-forth not within itself but in another (ἐν άλλω), in the artisan and artist.
Die Weisen der Veranlassung, die vier Ursachen, spielen somit innerhalb des Her-vor-bringens. Durch dieses kommt sowohl das Gewachsene der Natur als auch das Verfertigte des Handwerks und die Gebilde der Künste jeweils zu seinem Vorschein.
The modes of occasioning, the four causes, thus play within the realm of bringing-forth. Through this, whatever grows forth from nature, whatever is fabricated by craft, and whatever emerges through art each comes to appearance.
Wie aber geschieht das Her-vor-bringen, sei es in der Natur, sei es im Handwerk und in der Kunst? Was ist das Her-vor-bringen, darin die vierfache Weise des Veranlassens spielt? Das Veranlas-sen geht das Anwesen dessen an, was jeweils im Her-vor-bringen zum Vorschein kommt. Das Her-vor-bringen bringt aus der Ver-borgenheit her in die Unverborgenheit vor. Her-vor-bringen er-eignet sich nur, insofern Verborgenes ins Unverborgene kommt. Dieses Kommen beruht und schwingt in dem, was wir das Ent-bergen nennen. Die Griechen haben dafür das Wort αλήθεια. Die Römer übersetzen es durch »veritas«. Wir sagen »Wahrheit« und verstehen sie gewöhnlich als Richtigkeit des Vorstellens.
But how does bringing-forth happen, whether in nature, craft, or art? What is bringing-forth, in which the fourfold mode of occasioning plays? Occasioning concerns the presencing of whatever comes to appearance in bringing-forth. Bringing-forth fetches forth from concealment into unconcealment. Bringing-forth comes to pass only insofar as the concealed arrives in the unconcealed. This arriving is grounded and oscillates in what we call Unconcealing. The Greeks have the word αλήθεια for this. The Romans translate it as "veritas." We say "truth" and usually understand it as the correctness of representation.
Wohin haben wir uns verirrt? Wir fragen nach der Technik und sind jetzt bei der αλήθεια, beim Entbergen angelangt. Was hat das Wesen der Technik mit dem Entbergen zu tun? Antwort: Alles. Denn im Entbergen gründet jedes Her-vor-bringen. Dieses aber versammelt in sich die vier Weisen der Veranlassung – die Kau-salität – und durchwaltet sie. In ihren Bereich gehören Zweck und Mittel, gehört das Instrumentale. Dieses gilt als der Grund-zug der Technik. Fragen wir Schritt für Schritt, was die als Mittel vorgestellte Technik eigentlich sei, dann gelangen wir zum Ent bergen. In ihm beruht die Möglichkeit aller herstellenden Verfer-tigung.
Where have we strayed? We inquire after technology and now find ourselves at αλήθεια, at Unconcealing. What does the essence of technology have to do with Unconcealing? Answer: Everything. For Unconcealing grounds all bringing-forth. Yet bringing-forth gathers within itself the four modes of occasioning—causality—and permeates them. Within their domain belong purpose and means, belongs the instrumental. This is considered the fundamental trait of technology. If we inquire step by step into what the technology conceived as means properly is, we arrive at Unconcealing. In it rests the possibility of all productive fabrication.
Die Technik ist also nicht bloß ein Mittel. Die Technik ist eine Weise des Enthergens. Achten wir darauf, dann öffnet sich uns ein ganz anderer Bereich für das Wesen der Technik. Es ist der Bereich der Entbergung, d.h. der Wahr-heit.
Technology is thus not merely a means. Technology is a mode of Unconcealing. If we attend to this, an entirely different domain opens up for the essence of technology. It is the domain of Unconcealing, i.e., of truth.
oder jetzt die maßgebende Weise der Entbergung
or now the decisive mode of Unconcealing
Dieser Ausblick befremdet uns. Er soll es auch, soll es mög- lichst lange und so bedrängend, daß wir endlich auch einmal die schlichte Frage ernst nehmen, was denn der Name »Technik« sage. Das Wort stammt aus der griechischen Sprache. Τεχνικον meint solches, was zur τέχνη gehört. Hinsichtlich der Bedeutung dieses Wortes müssen wir zweierlei beachten. Einmal ist τέχνη nicht nur der Name für das handwerkliche Tun und Können, son- dern auch für die hohe Kunst und die schönen Künste. Die τέχνη gehört zum Her-vor-bringen, zur ποίησια; sie ist etwas Poietisches.
This prospect disconcerts us. It should indeed do so, and persist as disconcerting as possible, so that we may finally take seriously the simple question: what does the name "technology" actually signify? The word derives from the Greek language. Τεχνικον refers to that which belongs to τέχνη. Regarding the meaning of this word, two points demand our attention. First, τέχνη names not merely artisanal making and skill but also the high arts and the fine arts. Τέχνη belongs to bringing-forth (Her-vor-bringen), to ποίησις; it is something poietic.
Das andere, was es hinsichtlich des Wortes τέχνη zu bedenken gilt, ist noch gewichtiger. Das Wort τέχνη geht von früh an bis in die Zeit Platons mit dem Wort έπιστήμη zusammen. Beide Worte sind Namen für das Erkennen im weitesten Sinne. Sie meinen das Sichauskennen in etwas, das Sichverstehen auf etwas. Das Erkennen gibt Aufschluß. Als aufschließendes ist es ein Entber- gen. Aristoteles unterscheidet in einer besonderen Betrachtung (Eth. Nic. VI, c. 3 und 4) die έπιστήμη und die τέχνη, und zwar im Hinblick darauf, was sie und wie sie entbergen. Die τέχνη ist eine Weise des άληθεύειν. Sie entbirgt solches, was sich nicht selber her-vor-bringt und noch nicht vorliegt, was deshalb bald so, bald anders aussehen und ausfallen kann. Wer ein Haus oder ein Schiff baut oder eine Opferschale schmiedet, entbirgt das Her- -vor-zu-bringende nach den Hinsichten der vier Weisen der Ver- anlassung. Dieses Entbergen versammelt im voraus das Aussehen und den Stoff von Schiff und Haus auf das vollendet erschaute fertige Ding und bestimmt von da her die Art der Verfertigung. Das Entscheidende der τέχνη liegt somit keineswegs im Machen und Hantieren, nicht im Verwenden von Mitteln, sondern in dem genannten Entbergen. Als dieses, nicht aber als Verfertigen, ist die τέχνη ein Her-vor-bringen.
The second point, more weighty still, concerns the word τέχνη. From its earliest usage through Plato's time, τέχνη coincides with the word έπιστήμη. Both terms designate knowing in the broadest sense. They signify being versed in something, being competent regarding something. Knowing provides disclosure. As disclosive, it is an unconcealing (Entbergen). Aristotle distinguishes in a particular inquiry (Eth. Nic. VI, c. 3 and 4) between έπιστήμη and τέχνη, specifically regarding what and how they unconceal. Τέχνη is a mode of άληθεύειν. It unconceals that which does not bring itself forth and does not yet lie present, which can therefore appear and emerge now in this way, now in that. Whoever builds a house or a ship or forges a sacrificial vessel unconceals what is to be brought forth according to the fourfold modes of occasioning (Veranlassung). This unconcealing gathers in advance the aspect and material of ship and house into the fully envisioned finished thing, thereby determining the manner of production. The decisive aspect of τέχνη thus lies not at all in making and manipulating, nor in the use of means, but rather in the aforementioned unconcealing. As such—and not as manufacturing—τέχνη is a bringing-forth.
So führt uns denn der Hinweis darauf, was das Wort τέχνη sagt und wie die Griechen das Genannte bestimmen, in den selben Zusammenhang, der sich uns auftat, als wir der Frage nach- gingen, was das Instrumentale als solches in Wahrheit sei
Hence, the indication of what the word τέχνη says and how the Greeks determined the matter leads us into the same context that opened itself when we pursued the question of what the instrumental as such truly is.
Technik ist eine Weise des Entbergens. Die Technik west indem Bereich, wo Entbergen und Unverborgenheit, wo αλήθεια, wo Wahrheit geschieht.
Technology is a mode of Unconcealing. Technology essences within the domain where Unconcealing and Unconcealment, where αλήθεια, where truth, occurs.
Gegen diese Bestimmung des Wesensbereiches der Technik kann man einwenden, sie gelte zwar für das griechische Denken und passe im günstigen Fall auf die handwerkliche Technik, tref- fe jedoch nicht für die moderne Kraftmaschinentechnik zu. Und gerade sie, sie allein ist das Beunruhigende, das uns bewegt, nach der Technik zu fragen. Man sagt, die moderne Technik sei eine unvergleichbar andere gegenüber aller früheren, weil sie auf der neuzeitlichen exakten Naturwissenschaft beruhe. Inzwischen hat man deutlicher erkannt, daß auch das Umgekehrte gilt: die neu- zeitliche Physik ist als experimentelle auf technische Apparatu- ren und auf den Fortschritt des Apparatebaues angewiesen. Die Feststellung dieses Wechselverhältnisses zwischen Technik und Physik ist richtig. Aber sie bleibt eine bloß historische Feststel- lung von Tatsachen und sagt nichts von dem, worin dieses Wech- selverhältnis gründet. Die entscheidende Frage bleibt doch: wel- chen Wesens ist die moderne Technik, daß sie darauf verfallen kann, die exakte Naturwissenschaft zu verwenden?
Against this determination of the essential realm of technology, one might object that while it holds for Greek thought and perhaps applies to artisanal technique, it fails to address modern machine-powered technology. And precisely the latter—it alone—is the disquieting phenomenon that moves us to question technology. It is said that modern technology is incomparably different from all earlier forms because it is grounded in modern exact natural science. Meanwhile, it has become clearer that the inverse also holds: modern physics, as experimental, depends on technical apparatuses and the advancement of apparatus construction. The observation of this reciprocal relation between technology and physics is correct. Yet it remains a merely historiographical observation of facts and says nothing about what grounds this reciprocity. The decisive question remains: what is the essence of modern technology that it could come to employ exact natural science?
Was ist die moderne Technik? Auch sie ist ein Entbergen. Erst wenn wir den Blick auf diesem Grundzug ruhen lassen, zeigt sich uns das Neuartige der modernen Technik.
What is modern technology? It too is an Unconcealing. Only when we allow our gaze to rest on this fundamental trait does the novel character of modern technology show itself.
Dasjenige Entbergen, das die moderne Technik durchherrscht, entfaltet sich nun aber nicht in ein Her-vor-bringen im Sinne der ποίησια. Das in der modernen Technik waltende Entbergen ist ein Herausfordern, das an die Natur das Ansinnen stellt, Energie zu liefern, die als solche herausgefördert und gespeichert werden kann. Gilt dies aber nicht auch von der alten Windmühle? Nein. Ihre Flügel drehen sich zwar im Winde, seinem Wehen bleiben sie unmittelbar anheimgegeben. Die Windmühle erschließt aber nicht Energien der Luftströmung, um sie zu speichern.
The Unconcealing that governs modern technology, however, does not unfold into a bringing-forth in the sense of ποίησις. The Unconcealing that holds sway in modern technology is a challenging-forth (Herausfordern) that puts to nature the demand to supply energy that can be extracted and stored as such. But does this not also apply to the old windmill? No. Its sails do indeed turn in the wind, remaining directly entrusted to its blowing. Yet the windmill does not unlock the energies of air currents in order to store them.
Ein Landstrich wird dagegen in die Förderung von Kohle und Erzen herausgefordert. Das Erdreich entbirgt sich jetzt als Koh- lenrevier, der Boden als Erzlagerstätte. Anders erscheint das Feld, das der Bauer vormals bestellte, wobei bestellen noch hieß: hegenund pflegen. Das bäuerliche Tun fordert den Ackerboden nicht heraus. Im Säen des Korns gibt es die Saat den Wachstumskräften anheim und hütet ihr Gedeihen. Inzwischen ist auch die Feld- bestellung in den Sog eines andersgearteten Bestellens geraten, das die Natur stellt. Es stellt sie im Sinne der Herausforderung. Ackerbau ist jetzt motorisierte Ernährungsindustrie. Die Luft wird auf die Abgabe von Stickstoff hin gestellt, der Boden auf Erze, das Erz z. B. auf Uran, dieses auf Atomenergie, die zur Zer- zerstörung oder friedlichen Nutzung entbunden werden kann.
By contrast, a tract of land is challenged into the extraction of coal and ore. The soil now unconceals itself as a coal district, the earth as a mineral deposit. The field that the peasant formerly cultivated appears differently, where "cultivating" (bestellen) still meant: to tend and care for. The peasant's labor does not challenge the soil. In sowing grain, it entrusts the seed to the forces of growth and watches over its maturation. Meanwhile, even agriculture has been drawn into the vortex of a differently oriented ordering (Bestellen) that challenges nature. It challenges nature in the sense of extortion. Agriculture is now a motorized food industry. The air is set upon to yield nitrogen, the soil to yield ore, ore for example to yield uranium, which is set upon to yield atomic energy, which may be released for destruction or peaceful use.
Das Stellen, das die Naturenergien herausfordert, ist ein För- dern in einem doppelten Sinne. Es fördert, indem es erschließt und herausstellt. Dieses Fördern bleibt jedoch im voraus darauf abgestellt, anderes zu fördern, d.h. vorwärts zu treiben in die größtmögliche Nutzung bei geringstem Aufwand. Die im Koh- lenrevier geförderte Kohle wird nicht gestellt, damit sie nur über- haupt und irgendwo vorhanden sei. Sie lagert, d.h. sie ist zur Stelle für die Bestellung der in ihr gespeicherten Sonnenwärme. Diese wird herausgefordert auf Hitze, die bestellt ist, Dampf zu liefern, dessen Druck das Getriebe treibt, wodurch eine Fabrik in Betrieb bleibt.
The Challenging (Stellen) that extorts natural energies is a promoting (Fördern) in a twofold sense. It promotes by unlocking and exposing. Yet this promoting remains from the outset directed toward driving something else forward—namely, its maximum utility at minimal expenditure. The coal extracted from the mining district is not set upon merely to exist somewhere. It is stockpiled—i.e., it is on call for the ordering of the solar heat stored within it. This heat is challenged to yield steam, which is ordered to drive turbines, thereby keeping a factory in operation.
Das Wasserkraftwerk ist in den Rheinstrom gestellt. Es stellt ihn auf seinen Wasserdruck, der die Turbinen daraufhin stellt, sich zu drehen, welche Drehung diejenige Maschine umtreibt, deren Getriebe den elektrischen Strom herstellt, für den die Uberlandzentrale und ihr Stromnetz zur Strombeförderung be- stellt sind. Im Bereich dieser ineinandergreifenden Folgen der Bestellung elektrischer Energie erscheint auch der Rheinstrom als etwas Bestelltes. Das Wasserkraftwerk ist nicht in den Rhein- strom gebaut wie die alte Holzbrücke, die seit Jahrhunderten Ufer mit Ufer verbindet. Vielmehr ist der Strom in das Kraftwerk verbaut. Er ist, was er jetzt als Strom ist, nämlich Wasserdruck- lieferant, aus dem Wesen des Kraftwerks. Achten wir doch, um das Ungeheure, das hier waltet, auch nur entfernt zu ermessen, für einen Augenblick auf den Gegensatz, der sich in den beiden Titeln ausspricht: »Der Rhein«, verbaut in das Kraftweih, und»Der Rhein«, gesagt aus dem Kunstwerk der gleichnamigen Hymne Hölderlins. Aber der Rhein bleibt doch, wird man ent- gegnen, Strom der Landschaft. Mag sein, aber wie? Nicht an- ders denn als bestellbares Objekt der Besichtigung durch eine
The hydroelectric plant is installed into the Rhine River. It sets the river upon its water pressure, which in turn sets the turbines into rotation, driving the machinery whose gearing produces the electric current, for which the regional power station and its grid are commissioned to distribute. Within this interlocking chain of ordering effects that procure electrical energy, even the Rhine itself appears as something ordered. The hydroelectric plant is not built into the Rhine as the old wooden bridge was, which for centuries joined bank to bank. Rather, the river is built into the power plant. What the river now is as a river — a supplier of hydraulic pressure — derives from the essence of the power plant. To discern even remotely the monstrousness that reigns here, consider for a moment the contrast expressed in the two titles: "The Rhine," as dammed into the power plant, and "The Rhine," as uttered in Hölderlin’s hymn of the same name — a work of art. Yet the Rhine, one might object, remains a river of the landscape. Perhaps — but how? As nothing other than an orderable object for tourist excursions commissioned by a vacation industry.
Reisegesellschaft, die eine Urlaubsindustrie dorthin bestellt hat.
The unconcealing that holds sway throughout modern technology has the character of a challenging-forth. This happens by unlocking the energies concealed in nature, transforming what is unlocked, storing what is transformed, distributing what is stored, and switching around what is distributed. Unlocking, transforming, storing, distributing, and switching are modes of unconcealing. Yet this unconcealing does not simply come to pass. Nor does it trail off into indeterminacy. Unconcealing discloses its own manifoldly interlaced pathways by regulating them. This regulation is itself everywhere secured. Regulation and securing even become the chief characteristics of the challenging unconcealing.
Das Entbergen, das die moderne Technik durchherrscht, hat den Charakter des Stellens im Sinne der Herausforderung. Diese geschieht dadurch, daß die in der Natur verborgene Energie auf- geschlossen, das Erschlossene umgeformt, das Umgeformte gespeichert, das Gespeicherte wieder verteilt und das Verteilte erneut umgeschaltet wird. Erschließen, umformen, speichern, verteilen, umschalten sind Weisen des Entbergens. Dieses läuft jedoch nicht einfach ab. Es verläuft sich auch nicht ins Unbe- stimmte. Das Entbergen entbirgt ihm selber seine eigenen, viel- fach verzahnten Bahnen dadurch, daß es sie steuert. Die Steue- rung selbst wird ihrerseits überall gesichert. Steuerung und Sicherung werden sogar die Hauptzüge des herausfordernden Entbergens.
Welche Art von Unverborgenheit eignet nun dem, was durch das herausfordernde Stellen zustande kommt? Überall ist es be- stellt, auf der Stelle zur Stelle zu stehen, und zwar zu stehen, um selbst bestellbar zu sein für ein weiteres Bestellen. Das so Bestell- te hat seinen eigenen Stand. Wir nennen ihn den Bestand. Das Wort sagt hier mehr und Wesentlicheres als nur Vorrat. Das Wort »Bestand« rückt jetzt in den Rang eines Titels. Er kenn- zeichnet nichts Geringeres als die Weise, wie alles anwest, was vom herausfordernden Entbergen betroffen wird. Was im Sinne des Bestandes steht, steht uns nicht mehr als Gegenstand gegen- über.
What manner of unconcealment belongs to that which is brought forth through this challenging ordering? Everywhere, everything is ordered to stand ready, to be immediately at hand — indeed, to stand by precisely so that it may be on call for further ordering. What is thus ordered has its own standing. We name it: the standing-reserve. Here, this word says something more essential and higher than mere "stock." The word "standing-reserve" now assumes the rank of a title. It designates nothing less than the mode in which everything presences that is unconcealed through the challenging revealing. What stands in the sense of standing-reserve no longer stands over against us as an object.
Aber ein Verkehrsflugzeug, das auf der Startbahn steht, ist doch ein Gegenstand. Gewiß. Wir können die Maschine so vor- stellen. Aber dann verbirgt sie sich in dem, was und wie sie ist. Entborgen steht sie auf der Rollbahn nur als Bestand, insofern sie bestellt ist, die Möglichkeit des Transports sicherzustellen. Hier- für muß sie selbst in ihrem ganzen Bau, in jedem ihrer Bestand-teile bestellfähig, d.h. startbereit sein. (Hier wäre der Ort, Hegels Bestimmung der Maschine als eines selbständigen Werkzeugs zu erörtern. Vom Werkzeug des Handwerks her gesehen, ist seine Kennzeichnung richtig. Allein, so ist die Maschine gerade nicht aus dem Wesen der Technik gedacht, in die sie gehört. Vom Be- stand her gesehen, ist die Maschine schlechthin unselbständig; denn sie hat ihren Stand einzig aus dem Bestellen von Bestell- barem.)
But an airplane stationed on the runway is surely an object. Correct. We can represent the machine in this way. But in doing so, we conceal what and how it truly is. As something unconcealed, it stands on the runway only as standing-reserve, insofar as it is ordered to guarantee the possibility of transport. For this, the machine must itself be orderable — that is, start-ready — in every one of its constituent parts. (Here would be the place to discuss Hegel’s definition of the machine as a self-contained tool. From the perspective of the craftsman’s tool, his characterization is correct. Yet precisely thus, the machine is not thought from the essence of the technology to which it belongs. Viewed from the standing-reserve, the machine is utterly unself-contained; for it has its standing solely from the ordering of the orderable.)
Daß sich uns jetzt, wo wir versuchen, die moderne Technik als das herausfordernde Entbergen zu zeigen, die Worte »stellen«, »bestellen«, »Bestand« aufdrängen und sich in einer trockenen, einförmigen und darum lästigen Weise häufen, hat seinen Grund in dem, was zur Sprache kommt.
That the words "to set," "to order," and "standing-reserve" now impose themselves — accumulating in a dry, monotonous, and hence irksome manner — as we attempt to show modern technology as a challenging unconcealing, has its ground in what comes to language here.
Wer vollzieht das herausfordernde Stellen, wodurch das, was man das Wirkliche nennt, als Bestand entborgen wird? Offen- bar der Mensch. Inwiefern vermag er solches Entbergen? Der Mensch kann zwar dieses oder jenes so oder so vorstellen, gestal- ten und betreiben. Allein, über die Unverborgenheit, worin sich jeweils das Wirkliche zeigt oder entzieht, verfügt der Mensch nicht. Daß sich seit Platon das Wirkliche im Lichte von Ideen zeigt, hat Platon nicht gemacht. Der Denker hat nur dem ent- sprochen, was sich ihm zusprach.
Who carries out the challenging setting-forth through which what is called "the real" is unconcealed as standing-reserve? Obviously, the human being. To what extent is the human capable of such unconcealing? The human can indeed imagine, fashion, and pursue this or that in one way or another. Yet over the unconcealment within which the real shows itself or withdraws, the human holds no power. That since Plato, the real shows itself in the light of Ideas was not Plato’s doing. The thinker only responded to what addressed itself to him.
1 1954: dieses oder jenes Unverborgene! aber die Unverborgenheit als solche? die Entborgenheit?
1 1954: this or that unconcealed! But unconcealment as such? Disclosedness?
Nur insofern der Mensch seinerseits schon herausgefordert ist, die Naturenergien herauszufordern, kann dieses bestellende Ent- bergen geschehen. Wenn der Mensch dazu herausgefordert, be- stellt ist, gehört dann nicht auch der Mensch, ursprünglicher noch als die Natur, in den Bestand? Die umlaufende Bede vom Menschenmaterial, vom Krankenmaterial einer Klinik spricht dafür. Der Forstwart, der im Wald das geschlagene Holz vermißt und dem Anschein nach wie sein Großvater in der gleichen Wei- se dieselben Waldwege begeht, ist heute von der Holzverwer- tungsindustrie bestellt, ob er es weiß oder nicht. Er ist in die Be-stellbarkeit von Zellulose bestellt, die ihrerseits durch den Bedarf an Papier herausgefordert ist, das den Zeitungen und illustrierten Magazinen zugestellt wird. Diese aber stellen die öffentliche Mei- nung daraufhin, das Gedruckte zu verschlingen, um für eine be- stellte Meinungsherrichtung bestellbar zu werden. Doch gerade weil der Mensch ursprünglicher als die Naturenergien heraus- gefordert ist, nämlich in das Bestellen, wird er niemals zu einem bloßen Bestand. Indem der Mensch die Technik betreibt, nimmt er am Bestellen als einer Weise des Entbergens teil. Allein, die Unverborgenheit selbst, innerhalb deren sich das Bestellen ent- faltet, ist niemals ein menschliches Gemachte, so wenig wie der Bereich, den der Mensch jederzeit schon durchgeht, wenn er als Subjekt sich auf ein Objekt bezieht.
Only insofar as the human is already challenged to challenge forth the energies of nature can this ordering unconcealing happen. But if the human is thus challenged, thus ordered, does not the human being — even more primordially than nature — belong within the standing-reserve? The circulating talk of "human material," of the "patient material" in a clinic, speaks in favor of this. The forester who measures the felled timber in the forest and who, to all appearances, walks the same forest paths in the same way as his grandfather is today ordered by the timber industry — whether he knows it or not. He is commissioned into the orderability of cellulose, which in turn is challenged forth by the demand for paper, which is delivered to newspapers and illustrated magazines. These, in turn, set public opinion to devour the printed matter so that it may become orderable for a commissioned manufacturing of opinions. Yet precisely because the human is challenged more primordially than the energies of nature — namely, into ordering — the human is never reduced to mere standing-reserve. In pursuing technology, the human participates in ordering as a mode of unconcealing. But the unconcealment itself, within which ordering unfolds, is never a human fabrication — any more than is the realm through which the human being, as subject, already moves whenever he relates to an object.
1 1954: heißt? eigentlicher in das Ereignis vereignet!
1 1954: means? More authentically appropriated into the event!
1 1954: heißt? metaphysisch gesprochen: in einem ausgezeichneten Geheiß des Seins und den entsprechenden Bezug, vgl. Zur Seinsfrage [in: GA Bd. 9]
1 1954: means? Metaphysically speaking: in a distinctive summons of being and the corresponding relation, cf. On the Question of Being [in: GA Vol. 9]
Wo und wie geschieht das Entbergen, wenn es kein bloßes Ge- machte des Menschen ist? Wir brauchen nicht weit zu suchen. Nötig ist nur, unvoreingenommen Jenes zu vernehmen, was den Menschen immer schon in Anspruch genommen hat, und dies so entschieden, daß er nur als der so Angesprochene jeweils Mensch sein kann. Wo immer der Mensch sein Auge und Ohr öffnet, sein Herz aufschließt, sich in das Sinnen und Trachten, Bilden und Werken, Bitten und Danken freigibt, findet er sich überall schon ins Unverborgene gebracht. Dessen Unverborgenheit hat sich schon ereignet, so oft sie den Menschen in die ihm zugemessenen Weisen des Entbergens hervorruft. Wenn der Mensch auf seine Weise innerhalb der Unverborgenheit das Anwesende entbirgt, dann entspricht er nur dem Zuspruch der Unverborgenheit, selbst dort, wo er ihm widerspricht. Wenn also der Mensch for- schend, betrachtend der Natur als einem Bezirk seines Vorstellens nachstellt, dann ist er bereits von einer Weise der Entbergung beansprucht, die ihn herausfordert, die Natur als einen Gegen- stand der Forschung anzugehen, bis auch der Gegenstand in das Gegenstandlose des Bestandes verschwindet.So ist denn die moderne Technik als das bestellende Entbergen kein bloß menschliches Tun. Darum müssen wir auch jenes Her- ausfordern, das den Menschen stellt, das Wirkliche als Bestand zu bestellen, so nehmen, wie es sich zeigt. Jenes Herausfordern ver- sammelt den Menschen in das Bestellen. Dieses Versammelnde konzentriert den Menschen darauf, das Wirkliche als Bestand zu bestellen.
Where and how does unconcealment occur if it is not merely a human fabrication? We need not search far. What is required is to unprejudicedly apprehend that which has always already claimed humanity — so decisively that humans can only be human by being thus addressed. Wherever humans open their eyes and ears, unlock their hearts, surrender themselves to reflection and striving, shaping and creating, supplication and gratitude — everywhere they find themselves already brought into the unconcealed. Its unconcealment has already occurred whenever it summons humans into the modes of unconcealing apportioned to them. When humans unconceal the present in their own way within unconcealment, they merely correspond to the address of unconcealment — even when contradicting it. Thus when humans, through investigation and observation, pursue nature as a domain of their representation, they are already claimed by a mode of unconcealment that challenges them to approach nature as an object of research — until even the object disappears into the objectless standing-reserve.
Was die Berge ursprünglich zu Bergzügen entfaltet und sie in ihrem gefalteten Beisammen durchzieht, ist das Versammelnde, das wir Gebirg nennen.
That which originally unfolds mountains into mountain ranges and pervades their folded coexistence is the gathering force we call "mountain chain" [Gebirg].
Wir nennen jenes ursprünglich Versammelnde, daraus sich die Weisen entfalten, nach denen uns so und so zumute ist, das Ge- müt.
We name that originary gathering from which unfold the attunements through which we find ourselves disposed thus and so as "disposition" [Gemüt].
Wir nennen jetzt jenen herausfordernden Anspruch, der den Menschen dahin versammelt, das Sichentbergende als Bestand zu bestellen — das Ge-stell
We now name that challenging claim which gathers humans to order the self-unconcealing as standing-reserve — Enframing [Ge-stell].
Wir wagen es, dieses Wort in einem bisher völlig ungewohnten Sinne zu gebrauchen."
We dare to employ this word in a sense hitherto entirely unfamiliar.
1 das Ge-Stell
1 the En-framing
1. als Wesen des Willens zum Willen »Wesen« im Sinne des durchgängig Währenden der Grund-Zug Durchzug des Grundes durchgängiges Gründen
1. as essence of the will to will — "essence" understood as the enduring fundamental trait — the thoroughgoing traction of ground — comprehensive grounding
2. als verhaltener Anklang.
2. as restrained resonance.
Vergessenheit Gesetze des Seins
Forgetfulness — laws of Being
5. als Schleier des Ereignisses erstes Erblitzen äußerster verhülltester Brauch im Be-stellen
5. as veil of the Ereignis — first glimmering of the most extreme and most concealed usage within ordering
i 1954: vgl. Identität und Differenz [vorgesehen für GA Bd. 11]
i 1954: cf. Identität und Differenz [planned for GA Vol. 11]
Nach der gewöhnlichen Bedeutung meint das Wort »Gestell« ein Gerät, z. B. ein Büchergestell. Gestell heißt auch ein Knochen- gerippe. Und so schaurig wie dieses scheint die uns jetzt zugemu- tete Verwendung des Wortes »Gestell« zu sein, ganz zu schweigen von der Willkür, mit der auf solche Weise Worte der gewachse- nen Sprache mißhandelt werden. Kann man das Absonderliche noch weiter treiben? Gewiß nicht. Allein, dieses Absonderliche ist alter Brauch des Denkens. Und zwar fügen sich ihm die Denker gerade dort, wo es das Höchste zu denken gilt. Wir Spätgeborenensind nicht mehr imstande zu ermessen, was es heißt, daß Platon es wagt, für das, was in allem und jedem west, das Wort είδος zu gebrauchen. Denn είδος bedeutet in der alltäglichen Sprache die Ansicht, die ein sichtbares Ding unserem sinnlichen Auge darbie- tet. Platon mutet jedoch diesem Wort das ganz Ungewöhnliche zu, Jenes zu benennen, was gerade nicht und niemals mit sinnli- chen Augen vernehmbar wird. Aber auch so ist des Ungewöhnli- chen noch keineswegs genug. Denn ἰδέα nennt nicht nur das nichtsinnliche Aussehen des sinnlich Sichtbaren. Aussehen, ίδέα heißt und ist auch, was im Hörbaren, Tastbaren, Fühlbaren, in jeglichem, was irgendwie zugänglich ist, das Wesen ausmacht. Gegenüber dem, was Platon der Sprache und dem Denken in die- sem und anderen Fällen zumutet, ist der jetzt gewagte Gebrauch des Wortes Gestells als Name für das Wesen der modernen Technik beinahe harmlos. Indessen bleibt der jetzt verlangte Sprachgebrauch eine Zumutung und mißverständlich.
In ordinary usage, the word "Gestell" [frame] denotes apparatuses like a bookshelf. "Gestell" also refers to a skeletal structure. As macabre as this seems, so too might our imposed usage of "Gestell" appear — to say nothing of the arbitrariness with which we thus violate the evolved language. Can the bizarre be pushed further? Certainly not. Yet this strangeness is the ancient custom of thinking. Indeed, thinkers submit to it precisely where the highest matters demand thought. We latecomers can no longer fathom what it meant when Plato dared to use the word είδος for what presences in each and every thing. For in everyday speech, είδος means the aspect a visible thing offers to our sensory gaze. Yet Plato imposes upon this word the utterly unordinary task of naming precisely that which is never and nowhere accessible to sensory eyes. But even this does not exhaust the unordinary. For ἰδέα designates not only the nonsensory aspect of the sensorily visible. Aspect, ίδέα, also names and constitutes the essence within the audible, tangible, sensible — within whatever is accessible in any way. Compared to what Plato imposes on language and thinking in this and other cases, our ventured use of Gestell as the name for the essence of modern technology seems almost innocuous. Nevertheless, the presently demanded linguistic usage remains an imposition and invites misunderstanding.
Ge-stell heißt das Versammelnde jenes Stellens, das den Men- schen' stellt, d. h. herausfordert, das Wirkliche in der Weise des Bestellens als Bestand zu entbergen. Ge-stell heißt die Weise des Entbergens, die im Wesen der modernen Technik waltet und sel- ber nichts Technisches ist. Zum Technischen gehört dagegen al- les, was wir als Gestänge und Geschiebe und Gerüste kennen und was Bestandstück dessen ist, was man Montage nennt. Diese fällt jedoch samt den genannten Bestandstücken in den Bezirk der technischen Arbeit, die stets nur der Herausforderung des Ge- -stells entspricht, aber niemals dieses selbst ausmacht oder gar bewirkt.
Enframing [Ge-stell] names the gathering of that positing which challenges humans to unconceal the real as standing-reserve through ordering. Enframing names the mode of unconcealment that sways in the essence of modern technology and is itself nothing technological. To the technical belong all apparatuses we recognize as frameworks, gearworks, and scaffolds — components of what is termed assembly. Yet these, along with the aforementioned parts, belong to the domain of technical labor, which merely responds to Enframing's challenge but never constitutes or even effects Enframing itself.
ii 1954: deutlicher ein ontisch gebrauchtes und geläufiges Wort in einen aus- gezeichneten ontologischen Rang erhoben.
ii 1954: more clearly — an ontically used and familiar word elevated into a privileged ontological rank.
i 1954: nicht nur den Menschen! Ereignis und das Ge-Viert
i 1954: not merely humans! Ereignis and the Fourfold
Das Wort stellen meint im Titel Ge-stell nicht nur das Her- ausfordern, es soll zugleich den Anklang an ein anderes »Stellen« bewahren, aus dem es abstammt, nämlich an jenes Her- und Dar-stellen, das im Sinne der ποίησις das Anwesende in die Un-Verborgenheit hervorkommen läßt. Dieses hervorbringende Her- -stellen, z. B. das Aufstellen eines Standbildes im Tempelbezirk und das jetzt bedachte herausfordernde Bestellen sind zwar grundverschieden und bleiben doch im Wesen verwandt. Beide sind Weisen des Entbergens, der αλήθεια. Im Ge-stell ereignet sich die Unverborgenheit, dergemäß die Arbeit der modernen Technik das Wirkliche als Bestand entbirgt. Sie ist darum weder nur ein menschliches Tun, noch gar ein bloßes Mittel innerhalb solchen Tuns. Die nur instrumentale, die nur anthropologische Bestimmung der Technik wird im Prinzip hinfällig, sie läßt sich auch nicht mehr, falls sie doch als unzureichend erkannt werden. sollte, durch eine nur dahinter geschaltete metaphysische oder religiöse Erklärung ergänzen.
The word stellen in the title Ge-stell does not merely signify challenging-forth; it simultaneously preserves an echo of another "positing" from which it descends – namely, that Her- and Dar-stellen [challenging-forth and positioning-forth] which, in the sense of ποίησις, allows what presences to emerge into Unconcealment. This productive Her-stellen [bringing-forth], such as erecting a statue within the temple precinct, and the challenging ordering now contemplated, are fundamentally distinct yet remain akin in essence. Both are modes of Unconcealing, of αλήθεια [truth as Unconcealment]. Within Enframing, Unconcealment comes to pass such that the work of modern technology unconceals the real as standing-reserve. It is therefore neither merely a human activity nor even a mere instrument within such activity. The merely instrumental, merely anthropological determination of technology becomes fundamentally obsolete; nor can it ever be supplemented – even if recognized as inadequate – by some metaphysical or religious explanation appended thereafter.
Wahr bleibt allerdings, daß der Mensch des technischen Zeit- alters auf eine besonders hervorstechende Weise in das Ent- bergen herausgefordert ist. Dieses betrifft zunächst die Natur als den Hauptspeicher des Energiebestandes. Dementsprechend zeigt sich das bestellende Verhalten des Menschen zuerst im Aufkom- men der neuzeitlichen exakten Naturwissenschaft. Ihre Art des Vorstellens stellt der Natur als einem berechenbaren Kräftezu- sammenhang nach. Die neuzeitliche Physik ist nicht deshalb Ex- perimentalphysik, weil sie Apparaturen zur Befragung der Natur ansetzt, sondern umgekehrt: weil die Physik, und zwar schon als reine Theorie, die Natur daraufhin stellt, sich als einen voraus- berechenbaren Zusammenhang von Kräften darzustellen, des- halb wird das Experiment bestellt, nämlich zur Befragung, ob sich die so gestellte Natur und wie sie sich meldet..
It remains true, however, that the human being of the technological age is challenged forth into Unconcealing in an exceptionally conspicuous manner. This initially concerns nature as the chief repository of energy reserves. Correspondingly, the ordering comportment of the human first emerges in the rise of modern exact natural science. Its mode of representation pursues nature as a calculable nexus of forces. Modern physics is not experimental because it employs apparatuses to interrogate nature; rather, the inverse holds: because physics – already as pure theory – posits nature to present itself as a pre-calculable nexus of forces, the experiment is ordered forth as the means to interrogate whether and how nature thus posited announces itself.
1954: vgl. jetzt Der Ursprung des Kunstwerkes Nachwort über θέσις της GA Bd. 51 1954: zu einseitig nur auf das δηλουν abgehoben
1954: cf. now The Origin of the Work of Art Afterword on θέσις της GA Vol. 51
1954: too one-sidedly focused on δηλουν
Aber die mathematische Naturwissenschaft ist doch um fast zwei Jahrhunderte vor der modernen Technik entstanden. Wie soll sie da schon von der modernen Technik in deren Dienst ge- stellt sein? Die Tatsachen sprechen für das Gegenteil. Die moder- ne Technik kam doch erst in Gang, als sie sich auf die exakteNaturwissenschaft stützen konnte. Historisch gerechnet, bleibt dies richtig. Geschichtlich gedacht, trifft es nicht das Wahre.
Yet mathematical natural science arose nearly two centuries prior to modern technology. How, then, could it already be enlisted in the service of modern technology? The facts suggest the contrary. Modern technology only gained momentum when it could rely on exact natural science. Historically reckoned, this remains correct. Historically thought, it fails to grasp the truth.
Die neuzeitliche physikalische Theorie der Natur ist die Weg- bereiterin nicht erst der Technik, sondern des Wesens der moder- nen Technik. Denn das herausfordernde Versammeln in das be- stellende Entbergen waltet bereits in der Physik. Aber es kommt. in ihr noch nicht eigens zum Vorschein. Die neuzeitliche Physik ist der in seiner Herkunft noch unbekannte Vorbote des Ge-stells. Das Wesen der modernen Technik verbirgt sich auf lange Zeit auch dort noch, wo bereits Kraftmaschinen erfunden, die Elektro- technik auf die Bahn und die Atomtechnik in Gang gesetzt sind.
The modern physical theory of nature is the herald not merely of technology but of the essence of modern technology. For the challenging gathering into ordering Unconcealing already holds sway in physics. Yet it does not expressly come to appearance there. Modern physics is the as-yet-unknowing harbinger of Enframing. The essence of modern technology remains concealed even where power machinery is invented, electrical engineering set on its course, and atomic technology inaugurated.
Alles Wesende, nicht nur das der modernen Technik, hält sich überall am längsten verborgen. Gleichwohl bleibt es im Hinblick auf sein Walten solches, was allem voraufgeht: das Früheste. Da- von wußten schon die griechischen Denker, wenn sie sagten: Je- nes, was hinsichtlich des waltenden Aufgehens früher ist, wird uns Menschen erst später offenkundig. Dem Menschen zeigt sich die anfängliche Frühe erst zuletzt. Darum ist im Bereich des Denkens eine Bemühung, das anfänglich Gedachte noch anfäng- licher zu durchdenken, nicht der widersinnige Wille, Vergange- nes zu erneuern, sondern die nüchterne Bereitschaft, vor dem Kommenden der Frühe zu erstaunen.
All essencing – not only that of modern technology – everywhere lingers longest in concealment. Nevertheless, with regard to its swaying, it remains that which precedes all else: the earliest. The Greek thinkers already knew this when they said: That which is earlier with respect to the swaying emergence becomes manifest to us humans only later. The primal earliness first shows itself to the human last. Hence, in the domain of thinking, the effort to rethink the primordially thought in a still more primordial manner is not the absurd will to renew what is past, but the sober readiness to be astonished by the advent of primal earliness.
Für die historische Zeitrechnung liegt der Beginn der neuzeit- lichen Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert. Dagegen entwik- kelt sich die Kraftmaschinentechnik erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Allein, das für die historische Feststellung Spätere, die moderne Technik, ist hinsichtlich des in ihm walten- den Wesens das geschichtlich Frühere.
By historical chronology, modern natural science begins in the 17th century. Machine-powered technology, however, only develops in the latter half of the 18th century. Yet what is later for historical reckoning – modern technology – is, with respect to the essence holding sway within it, the historically earlier.
Wenn die moderne Physik in zunehmendem Maße sich damit abfinden muß, daß ihr Vorstellungsbereich unanschaulich bleibt, dann ist dieser Verzicht nicht von irgendeiner Kommission von Forschern diktiert. Er ist vom Walten des Ge-stells herausgefor- dert, das die Bestellbarkeit der Natur als Bestand verlangt. Darum kann die Physik bei allem Rückzug aus dem bis vor kurzem allein maßgebenden, nur den Gegenständen zugewandten Vorstellen.auf eines niemals verzichten: daß sich die Natur in irgendeiner rechnerisch feststellbaren Weise meldet und als ein System von Informationen bestellbar bleibt. Dieses System bestimmt sich dann aus einer noch einmal gewandelten Kausalität. Sie zeigt jetzt weder den Charakter des hervorbringenden Veranlassens, noch die Art der causa efficiens oder gar der causa formalis. Ver mutlich schrumpft die Kausalität in ein herausgefordertes Mel- den gleichzeitig oder nacheinander sicherzustellender Bestände zusammen. Dem entspräche der Prozeß des zunehmenden Sich- abfindens, den Heisenbergs Vortrag in eindrucksvoller Weise schilderte. (W. Heisenberg, Das Naturbild in der heutigen Physik, in: Die Künste im technischen Zeitalter, München 1954, S. 43 ff.).
When modern physics must increasingly resign itself to the fact that its conceptual domain remains non-intuitive, this renunciation is not dictated by any commission of researchers. It is challenged forth by the sway of Enframing, which demands the orderability of nature as standing-reserve. Hence, despite its retreat from the hitherto solely authoritative mode of representation oriented merely toward objects, physics can never relinquish one thing: that nature announces itself in some calculably determinable manner and remains orderable as a system of information. This system then determines itself from a causality once again transformed. It now exhibits neither the character of productive occasioning nor the manner of causa efficiens or even causa formalis. Presumably, causality shrinks into a challenged reporting of simultaneously or successively securable standing-reserves. This would correspond to the process of increasing resignation that Heisenberg’s lecture portrayed in an impressive manner. (W. Heisenberg, The Image of Nature in Contemporary Physics, in: The Arts in the Technical Age, Munich 1954, pp. 43 ff.).
Weil das Wesen der modernen Technik im Ge-stell beruht, deshalb muß diese die exakte Naturwissenschaft verwenden. Da- durch entsteht der trügerische Schein, als sei die moderne Tech- nik angewandte Naturwissenschaft. Dieser Schein kann sich so lange behaupten, als weder die Wesensherkunft der neuzeitli chen Wissenschaft, noch gar das Wesen der modernen Technik hinreichend erfragt werden.
Because the essence of modern technology resides in Enframing, the latter must employ exact natural science. Thereby arises the deceptive appearance that modern technology is applied natural science. This semblance can persist as long as neither the essential provenance of modern science nor even the essence of modern technology is sufficiently interrogated.
Wir fragen nach der Technik, um unsere Beziehung zu ihrem Wesen ans Licht zu heben. Das Wesen der modernen Technik zeigt sich in dem, was wir das Ge-stell nennen. Allein, der Hin- weis darauf ist noch keineswegs die Antwort auf die Frage nach der Technik, wenn antworten heißt: entsprechen, nämlich dem Wesen dessen, wonach gefragt wird.
We question technology to bring our relation to its essence into the light. The essence of modern technology shows itself in what we call Enframing. Yet the indication of this is by no means the answer to the question concerning technology, if to answer means: to correspond, namely to the essence of that which is questioned.
Wohin sehen wir uns gebracht, wenn wir jetzt noch um einen Schritt weiter dem nachdenken, was das Ge-stell als solches sel- ber ist? Es ist nichts Technisches, nichts Maschinenartiges. Es ist die Weise, nach der sich das Wirkliche als Bestand entbirgt. Wie- derum fragen wir: geschieht dieses Entbergen irgendwo jenseits alles menschlichen Tuns? Nein. Aber es geschieht auch nicht nur im Menschen und nicht maßgebend durch ihn.
Where do we find ourselves brought when we now take a further step in thinking after what Enframing as such itself is? It is nothing technological, nothing machine-like. It is the manner in which the real is unconcealed as standing-reserve. We ask again: does this unconcealment happen somewhere beyond all human activity? No. But neither does it happen only within humanity nor decisively through it.
Das Ge-stell ist das Versammelnde jenes Stellens, das den Menschen stellt, das Wirkliche in der Weise des Bestellens alsBestand zu entbergen. Als der so Herausgeforderte steht der Mensch im Wesensbereich des Ge-stells. Er kann gar nicht erst nachträglich eine Beziehung zu ihm aufnehmen. Darum kommt die Frage, wie wir in eine Beziehung zum Wesen der Technik gelangen sollen, in dieser Form jederzeit zu spät. Aber nie zu spät kommt die Frage, ob wir uns eigens als diejenigen erfahren, deren Tun und Lassen überall, bald offenkundig, bald versteckt, vom Ge-stell herausgefordert ist. Nie zu spät kommt vor allem die Frage, ob und wie wir uns eigens auf das einlassen, worin das Ge-stell selber west.
Enframing is the gathering of that positing which challenges humanity to unconceal the real in the manner of ordering as standing-reserve. As the one thus challenged, humanity stands within the essential domain of Enframing. It cannot retroactively assume a relation to it. Therefore, the question of how we are to enter into a relation to the essence of technology always arrives too late in this form. But it is never too late to ask whether we explicitly experience ourselves as those whose doing and refraining are everywhere challenged forth by Enframing, whether manifestly or concealed. Above all, it is never too late to ask whether and how we expressly engage with that wherein Enframing itself essences.
Das Wesen der modernen Technik bringt den Menschen auf den Weg jenes Enthergens, wodurch das Wirkliche überall, mehr oder weniger vernehmlich, zum Bestand wird. Auf einen Weg bringen dies heißt in unserer Sprache: schicken. Wir nennen jenes versammelnde Schicken, das den Menschen erst auf einen Weg des Entbergens bringt, das Geschick". Von hier aus bestimmt sich das Wesen aller Geschichte. Sie ist weder nur der Gegen- stand der Historie, noch nur der Vollzug menschlichen Tuns. Die- ses wird geschichtlich erst als ein geschickliches (vgl. Vom Wesen der Wahrheit, 1930; in erster Auflage gedruckt 1943, S. 16 f.). Und erst das Geschick in das vergegenständlichende Vorstellen macht das Geschichtliche für die Historie, d.h. eine Wissenschaft, als Gegenstand zugänglich und von hier aus erst die gängige Gleichsetzung des Geschichtlichen mit dem Historischen mög lich.
The essence of modern technology sets humanity upon the path of that unconcealment through which the real everywhere becomes standing-reserve, more or less audibly. To set upon a path in our language means: to destine. We name that gathering sending which first sets humanity upon a path of unconcealment as destining. From here, the essence of all history determines itself. History is neither merely the object of historiography nor only the execution of human activity. The latter becomes historical solely as a destinal occurrence (cf. On the Essence of Truth, 1930; first printed edition 1943, pp. 16 f.). And only destining into objectifying representation makes the historical accessible to historiography as an object, i.e., a science, thereby first enabling the customary equation of the historical with the historiographical.
Als die Herausforderung ins Bestellen schickt das Ge-stell in eine Weise des Entbergens. Das Ge-stell ist eine Schickung des Geschickes wie jede Weise des Entbergens. Geschick in dem ge- nannten Sinne ist auch das Her-vor-bringen, die ποίησις.
As the challenge into ordering, Enframing destines a mode of unconcealment. Enframing is a dispensation of destining, like every mode of unconcealment. Destining in the aforementioned sense is also bringing-forth, poiēsis.
1 im * 1962: vgl. Zeit und Sein (vorgesehen für GA Bd. 14 + In: Wegmarken. GA Bd. 9, S. 190 f
1 in
* 1962: cf. Time and Being (intended for GA Vol. 14)
+ In: Pathmarks. GA Vol. 9, p. 190 f.
Immer geht die Unverborgenheit dessen, was ist, auf einem Weg des Entbergens. Immer durchwaltet den Menschen das Ge- schick der Entbergung. Aber es ist nie das Verhängnis einesZwanges. Denn der Mensch wird gerade erst frei, insofern er in den Bereich des Geschickes gehört und so ein Hörender wird, nicht aber ein Höriger.
Unconcealment of what is always unfolds along a path of unconcealing. The destining of unconcealment perpetually governs humanity. Yet it is never the doom of compulsion. For human beings become free precisely insofar as they belong to the domain of destining and thus become hearers, not slaves.
Das Wesen der Freiheit ist ursprünglich nicht dem Willen oder gar nur der Kausalität des menschlichen Wollens zugeordnet.
The essence of freedom is originally not aligned with the will or even merely with the causality of human volition.
Die Freiheit verwaltet das Freie im Sinne des Gelichteten, d.h. des Entborgenen. Das Geschehnis des Entbergens, d. h. der Wahr- heit, ist es, zu dem die Freiheit in der nächsten und innigsten Ver- wandtschaft steht. Alles Entbergen gehört in ein Bergen und Ver- bergen. Verborgen aber ist und immer sich verbergend das Befrei- ende, das Geheimnis. Alles Entbergen kommt aus dem Freien, geht ins Freie und bringt ins Freie. Die Freiheit des Freien be- steht weder in der Ungebundenheit der Willkür, noch in der Bin- dung durch bloße Gesetze. Die Freiheit ist das lichtend Verber- gende, in dessen Lichtung jener Schleier weht, der das Wesende aller Wahrheit verhüllt und den Schleier als den verhüllenden erscheinen läßt. Die Freiheit ist der Bereich des Geschickes, das jeweils eine Entbergung auf ihren Weg bringt.
Freedom administers the free in the sense of the illuminated, i.e., the unconcealed. Freedom stands in the closest and most intimate kinship with the event of unconcealment, i.e., truth. All unconcealment belongs within a sheltering and concealing. Yet what remains concealed and ever concealing itself is the liberating, the mystery. All unconcealment arises from the free, moves into the free, and brings into the free. The freedom of the free resides neither in the arbitrariness of caprice nor in the constraint by mere laws. Freedom is the illuminating-concealing, within whose clearing that veil sways which cloaks the essencing of all truth and lets the veil appear as the cloaking. Freedom is the domain of destining, which each time sets an unconcealment upon its path.
Das Wesen der modernen Technik beruht im Ge-stell. Dieses gehört in das Geschick der Entbergung. Die Sätze sagen anderes als die öfter verlautende Bede, die Technik sei das Schicksal unseres Zeitalters, wobei Schicksal meint: das Unausweichliche eines unabänderlichen Verlaufs.
The essence of modern technology lies in Enframing. This belongs to the destining of unconcealment. These statements say something other than the oft-proclaimed notion that technology is the fate of our age, where fate means the inevitability of an unalterable course.
Wenn wir jedoch das Wesen der Technik bedenken, dann er- fahren wir das Ge-stell als ein Geschick der Entbergung. So hal- ten wir uns schon im Freien des Geschickes auf, das uns keines- wegs in einen dumpfen Zwang einsperrt, die Technik blindlings zu betreiben oder, was das Selbe bleibt, uns hilflos gegen sie auf- zulehnen und sie als Teufelswerk zu verdammen. Im Gegenteil: wenn wir uns dem Wesen der Technik eigens öffnen, finden wir uns unverhofft in einen befreienden Anspruch genommen.
Yet when we ponder the essence of technology, we experience Enframing as a destining of unconcealment. Thus we already dwell within the open region of destining, which in no way confines us to a benighted compulsion either to pursue technology blindly or, what remains the same, to rebel helplessly against it and condemn it as diabolical. On the contrary: when we expressly open ourselves to the essence of technology, we find ourselves unexpectedly taken up into a liberating claim.
Das Wesen der Technik beruht im Ge-stell. Sein Walten ge- hört in das Geschick. Weil dieses den Menschen jeweils auf einen Weg des Entbergens bringt, geht der Mensch, also unterwegs, im- merfort am Bande der Möglichkeit, nur das im Bestellen Entbor-gene zu verfolgen und zu betreiben und von da her alle Maße zu nehmen. Hierdurch verschließt sich die andere Möglichkeit, daß der Mensch eher und mehr und stets anfänglicher auf das Wesen des Unverborgenen und seine Unverborgenheit sich einläßt, um die gebrauchte Zugehörigkeit zum Entbergen als sein Wesen zu erfahren.
The essence of technology lies in Enframing. Its governance belongs to destining. Because this each time sets humanity upon a path of unconcealing, human beings—thus underway—continually skirt the edge of the possibility to pursue and promote only what is unconcealed in ordering, taking all measures from there. Thereby the other possibility closes itself off: that humanity might earlier, more extensively, and ever more originarily engage with the essence of unconcealment and its unconcealment, so as to experience its belongingness to unconcealment as its essence.
Zwischen diese Möglichkeiten gebracht, ist der Mensch aus dem Geschick her gefährdet. Das Geschick der Entbergung ist als solches in jeder seiner Weisen und darum notwendig Gefahr.
Placed between these possibilities, humanity is endangered from out of destining. The destining of unconcealment as such, in each of its modes, is thus necessarily danger.
In welcher Weise auch immer das Geschick der Entbergung walten mag, die Unverborgenheit, in der alles, was ist, sich je- weils zeigt, birgt die Gefahr, daß der Mensch sich am Unverbor- genen versieht und es mißdeutet. So kann, wo alles Anwesende sich im Lichte des Ursache-Wirkung-Zusammenhangs darstellt, sogar Gott für das Vorstellen alles Heilige und Hohe, das Ge- heimnisvolle seiner Ferne verlieren. Gott kann im Lichte der Kausalität zu einer Ursache, zur causa efficiens, herabsinken. Er wird dann sogar innerhalb der Theologie zum Gott der Philoso- phen, jener nämlich, die das Unverborgene und Verborgene nach der Kausalität des Machens bestimmen, ohne dabei jemals die Wesensherkunft dieser Kausalität zu bedenken.
In whatever way the destining of unconcealment may hold sway, unconcealment—within which all that is each time shows itself—harbors the danger that humanity may misapprehend and misinterpret the unconcealed. Thus, where everything present presents itself in the light of cause-effect relations, even God may lose all that is holy and exalted, the mysteriousness of his distance. God may sink to the level of a cause, to causa efficiens, within the light of causality. He then becomes, even in theology, the God of the philosophers—those, namely, who determine the unconcealed and concealed according to the causality of making, without ever pondering the essential provenance of this causality.
Insgleichen kann die Unverborgenheit, dergemäß sich die Na- tur als ein berechenbarer Wirkungszusammenhang von Kräften darstellt, zwar richtige Feststellungen verstatten, aber gerade durch diese Erfolge die Gefahr bleiben, daß sich in allem Bichti- gen das Wahre entzieht.
Similarly, unconcealment—according to which nature presents itself as a calculable nexus of forces—may indeed permit correct findings, but precisely through these successes, the danger remains that amidst all correctness, truth itself withdraws.
Das Geschick der Entbergung ist in sich nicht irgendeine, son- dern die Gefahr".
The destining of unconcealment is in itself not some danger, but the danger.
1962: vgl. Einblick [in das was ist] 1949 fahr nachstellen [in: GA Bd. 79]
11962: cf. Insight [into That Which Is] 1949 pursuit [in: GA Vol. 79]
Waltet jedoch das Geschick in der Weise des Ge-stells, dann ist es die höchste Gefahr. Sie bezeugt sich uns nach zwei Hinsichten. Sobald das Unverborgene nicht einmal mehr als Gegenstand, sondern ausschließlich als Bestand den Menschen angeht und der Mensch innerhalb des Gegenstandlosen nur noch der Bestellerdes Bestandes ist, geht der Mensch am äußersten Rand des Ab- sturzes, dorthin nämlich, wo er selber nur noch als Bestand ge- nommen werden soll. Indessen spreizt sich gerade der so bedroh- te Mensch in die Gestalt des Herrn der Erde auf. Dadurch macht sich der Anschein breit, alles was begegne, bestehe nur, insofern es ein Gemachte des Menschen sei. Dieser Anschein zeitigt einen letzten trügerischen Schein. Nach ihm sieht es so aus, als begegne der Mensch überall nur noch sich selbst. Heisenberg hat mit vol- lem Recht darauf hingewiesen, daß sich dem heutigen Menschen das Wirkliche so darstellen muß (a.a.O. S. 60 ff). Indessen begeg net der Mensch heute in Wahrheit gerade nirgends mehr sich selber, d. h. seinem Wesen. Der Mensch steht so entschieden im Gefolge der Herausforderung des Ge-stells, daß er dieses nicht als einen Anspruch vernimmt, daß er sich selber als den im Ge-Stell von diesem Angesprochenen übersieht und damit auch jede Weise überhört, inwiefern er aus seinem Wesen her im Bereich eines Zuspruchs ek-sistiert und darum niemals nur sich selber begeg- nen kann.
Yet when destining holds sway in the mode of Enframing, it becomes the supreme danger. This danger manifests itself to us from two perspectives. Once the unconcealed no longer even approaches humanity as an object, but exclusively as standing-reserve, and when human beings within the objectless domain are merely the orderers of the standing-reserve, humanity teeters on the brink of an abyss—a precipice where humans themselves are to be apprehended as standing-reserve. Meanwhile, this threatened human being postures as the lord of the earth. Through this, the illusion arises that everything encountered exists solely insofar as it is a fabrication of humanity. This illusion breeds a final deceptive semblance. According to it, it appears as though human beings everywhere encounter only themselves. Heisenberg has rightly emphasized that reality must present itself in this way to contemporary humans (op. cit., pp. 60 ff.). Yet in truth, humans today nowhere encounter themselves—that is, their essence. Humanity stands so decisively within the wake of Enframing’s challenging claim that they fail to perceive this claim as such, overlook themselves as those addressed by Enframing, and thus remain deaf to every way in which they ek-sist from out of their essence within the domain of an appeal—and therefore can never encounter themselves alone.
Allein, das Ge-stell gefährdet nicht nur den Menschen in sei- nem Verhältnis zu sich selbst und zu allem, was ist. Als Geschick verweist es in das Entbergen von der Art des Bestellens. Wo die- ses herrscht, vertreibt es jede andere Möglichkeit der Entbergung. Vor allem verbirgt das Ge-stell jenes Entbergen, das im Sinne der ποίησις das Anwesende ins Erscheinen her-vor-kommen läßt. Im Vergleich hierzu drängt das herausfordernde Stellen in den ent- gegengesetzt-gerichteten Bezug zu dem, was ist. Wo das Ge-stell waltet, prägen Steuerung und Sicherung des Bestandes alles Ent- bergen. Sie lassen sogar ihren eigenen Grundzug, nämlich dieses Entbergen als ein solches nicht mehr zum Vorschein kommen.
However, Enframing endangers not only humanity’s relation to itself and to all that is. As destining, it consigns Unconcealment to the mode of ordering. Where this dominates, it expels every other possibility of Unconcealment. Above all, Enframing conceals that Unconcealment which, in the sense of ποίησις (poiesis), allows what presences to emerge into appearance. By comparison, the challenging positing thrusts itself into a diametrically opposed relation to what is. Where Enframing holds sway, the regulation and securing of the standing-reserve pervade all Unconcealment. They no longer even allow their own fundamental trait—namely, this Unconcealment as such—to come forth.
So verbirgt denn das herausfordernde Ge-stell nicht nur eine vormalige Weise des Entbergens, das Her-vor-bringen, sondern es verbirgt das Entbergen als solches und mit ihm Jenes, worin sich Unverborgenheit, d.h. Wahrheit ereignet."
Thus, the challenging Enframing not only conceals a former mode of Unconcealment, the bringing-forth (Her-vor-bringen), but it also obscures Unconcealment as such and, with it, that wherein truth as Unconcealment unfolds.The oblivion of the dif-ference
Vergessenheit des Unter-Schieds
Das Ge-stell verstellt das Scheinen und Walten der Wahrheit. Das Geschick, das in das Bestellen schickt, ist somit die äußerste Gefahr. Das Gefährliche ist nicht die Technik. Es gibt keine Dä- monie der Technik, wohl dagegen das Geheimnis ihres Wesens. Das Wesen der Technik ist als ein Geschick des Entbergens die Gefahr. Die gewandelte Bedeutung des Wortes »Ge-stell« wird uns jetzt vielleicht schon um einiges vertrauter, wenn wir Ge-stell im Sinne von Geschick und Gefahr denken.
Enframing obstructs the shining-forth and sway of truth. The destining that sends forth into ordering is thus the extreme danger. The danger lies not in technology. There is no demonry of technology, but rather the mystery of its essence. The essence of technology as a destining of Unconcealment is the danger. The transformed meaning of the word “Ge-stell” (Enframing) may now become somewhat more familiar to us if we think Enframing in terms of destining and danger.
Die Bedrohung des Menschen kommt nicht erst von den mög- licherweise tödlich wirkenden Maschinen und Apparaturen der Technik. Die eigentliche Bedrohung hat den Menschen bereits in seinem Wesen angegangen. Die Herrschaft des Ge-stells droht mit der Möglichkeit, daß dem Menschen versagt sein könnte, in ein ursprünglicheres Entbergen einzukehren und so den Zu spruch einer anfänglicheren Wahrheit zu erfahren.
The threat to humanity does not arise first from the potentially lethal machinery and apparatuses of technology. The genuine threat has already assailed humanity in its essence. The rule of Enframing threatens the possibility that humanity might be denied entry into a more primordial Unconcealment and thus fail to experience the summons of a more originary truth.
So ist denn, wo das Ge-stell herrscht, im höchsten Sinne Ge- fahr.
Thus, where Enframing reigns, there is danger in the highest sense.
»Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch.«
“But where danger is, grows
The saving power also.”
Bedenken wir das Wort Hölderlins sorgsam. Was heißt »retten«? Gewöhnlich meinen wir, es bedeute nur: das vom Untergang Be- drohte gerade noch erhaschen, um es in seinem bisherigen Fort- bestehen zu sichern. Aber »retten« sagt mehr. Retten ist: einho- len ins Wesen, um so das Wesen erst zu seinem eigentlichen Scheinen zu bringen. Wenn das Wesen der Technik, das Ge-stell, die äußerste Gefahr ist und wenn zugleich Hölderlins Wort Wah- res sagt, dann kann sich die Herrschaft des Ge-stells nicht darin erschöpfen, alles Leuchten jedes Entbergens, alles Scheinen der Wahrheit nur zu verstellen. Dann muß vielmehr gerade das We- sen der Technik das Wachstum des Rettenden in sich bergen. Könnte dann aber nicht ein zureichender Blick in das, was das Ge-stell als ein Geschick des Entbergens ist, das Rettende in sei- nem Aufgehen zum Scheinen bringen?Inwiefern wächst dort, wo Gefahr ist, das Rettende auch? Wo etwas wächst, dort wurzelt es, von dorther gedeiht es. Beides ge-
Let us ponder Hölderlin’s words carefully. What does “to save” mean? Ordinarily, we take it to mean only snatching something threatened by ruin at the last moment to secure its continued existence. But “to save” says more. To save is to fetch back into the essence, thereby first allowing the essence to shine forth in its genuine appearing. If the essence of technology, Enframing, is the extreme danger, and if Hölderlin’s words speak truth, then the rule of Enframing cannot exhaust itself in merely obstructing all radiance of Unconcealment and every shining-forth of truth. Rather, the essence of technology must itself harbor the growth of the saving power. Could an adequate insight into what Enframing is as a destining of Unconcealment bring the saving power to shine in its arising? In what way does the saving power also grow where danger is? Where something grows, there it takes root, from there it thrives. Both occur
schicht verborgen und still und zu seiner Zeit. Nach dem Wort des Dichters dürfen wir aber gerade nicht erwarten, dort, wo Ge- fahr ist, das Rettende unmittelbar und unvorbereitet aufgreifen zu können. Darum müssen wir jetzt zuvor bedenken, inwiefern in dem, was die äußerste Gefahr ist, inwiefern im Walten des Ge- -stells das Rettende sogar am tiefsten wurzelt und von dorther gedeiht. Um solches zu bedenken, ist es nötig, durch einen letzten Schritt unseres Weges noch helleren Auges in die Gefahr zu blik- ken. Dementsprechend müssen wir noch einmal nach der Tech- nik fragen. Denn in ihrem Wesen wurzelt und gedeiht nach dem Gesagten das Rettende.
concealedly and quietly and in their own time. Yet according to the poet’s word, we may not expect to grasp the saving power immediately and unprepared precisely where the danger is. Hence, we must first consider how within what is the extreme danger—how within the sway of Enframing—the saving power takes root most deeply and thrives therefrom. To think this, it is necessary to cast a still clearer gaze into the danger through a final step on our path. Accordingly, we must once again question technology. For according to what has been said, the saving power roots and thrives within its essence.
Wie sollen wir jedoch das Rettende im Wesen der Technik er- blicken, solange wir nicht bedenken, in welchem Sinne von »We- sens« das Ge-stell eigentlich das Wesen der Technik ist?
Yet how shall we discern the saving power in the essence of technology so long as we do not consider in what sense of “essence” Enframing is properly the essence of technology?
Bisher verstanden wir das Wort »Wesen« in der geläufigen Be- deutung. In der Schulsprache der Philosophie heißt »Wesen« je- nes, was etwas ist, lateinisch: quid. Die quidditas, die Washeit gibt Antwort auf die Frage nach dem Wesen. Was z. B. allen Arten von Bäumen, der Eiche, Buche, Birke, Tanne, zukommt, ist das selbe Baumhafte. Unter dieses als die allgemeine Gattung, das univer- sales, fallen die wirklichen und möglichen Bäume. Ist nun das Wesen der Technik, das Ge-stell, die gemeinsame Gattung für al- les Technische? Träfe dies zu, dann wäre z. B. die Dampfturbine, wäre der Rundfunksender, wäre das Zyklotron ein Ge-stell. Aber das Wort »Ge-stelle« meint jetzt kein Gerät oder irgendeine Art von Apparaturen. Es meint noch weniger den allgemeinen Be- griff solcher Bestände. Die Maschinen und Apparate sind ebenso- wenig Fälle und Arten des Ge-stells wie der Mann an der Schalt- tafel und der Ingenieur im Konstruktionsbureau. All das gehört zwar als Bestandstück, als Bestand, als Besteller je auf seine Art in das Ge-stell, aber dieses ist niemals das Wesen der Technik im Sinne einer Gattung. Das Ge-stell ist eine geschickhafte Weise des Entbergens, nämlich das herausfordernde. Eine solche ge-schickhafte Weise ist auch das hervorbringende Entbergen, die ποίησις.. Aber diese Weisen sind nicht Arten, die nebeneinander- geordnet unter den Begriff des Entbergens fallen. Die Entber- gung ist jenes Geschick, das sich je und jäh und allem Denken unerklärbar in das hervorbringende und herausfordernde Ent- bergen austeilt1 und sich dem Menschen zuteilt. Das herausfor- dernde Entbergen hat im hervorbringenden seine geschickliche Herkunft. Aber zugleich verstellt das Ge-stell geschickhaft die ποίησις.
Hitherto we have understood the word "essence" in its customary sense. In the scholastic language of philosophy, "essence" signifies that which something is, in Latin: quid. The quidditas, the whatness, provides the answer to the question concerning essence. For instance, what pertains to all species of trees – oak, beech, birch, fir – is the same treeness. The actual and possible trees fall under this universal genus, the universales. Now, is the essence of technology, Enframing [Ge-stell], the common genus for everything technological? If this were the case, then the steam turbine, the radio transmitter, and the cyclotron would each be an Enframing. Yet the term "Enframing" here does not denote any apparatus or type of machinery. Even less does it signify the general concept of such equipment. Machines and devices are no more instances or species of Enframing than the operator at the switchboard or the engineer in the design bureau. All these belong, each in their way, as component parts, as standing-reserve [Bestand], as orderers of the standing-reserve into Enframing. Yet Enframing is never the essence of technology in the sense of a genus. Enframing is a destining manner of revealing [Entbergen], namely the challenging one. The bringing-forth revealing [hervorbringende Entbergen], ποίησις, is also such a destining manner. Yet these modes are not species arrayed side by side under the concept of revealing. Revealing is that destining which, ever suddenly and inexplicably to all thinking, apportions itself into bringing-forth and challenging revealing1, and which is thereby allotted to humanity. The challenging revealing has its destinal provenance in the bringing-forth. Yet simultaneously, Enframing destinally obstructs ποίησις.
So ist denn das Ge-stell als ein Geschick der Entbergung zwar das Wesen der Technik, aber niemals Wesen im Sinne der Gat- tung und der essentia. Beachten wir dies, dann trifft uns etwas Erstaunliches: die Technik ist es, die von uns verlangt, das, was man gewöhnlich unter »Wesen« versteht, in einem anderen Sin- ne zu denken. Aber in welchem?
Thus, although Enframing as a destining of revealing is the essence of technology, it is never essence in the sense of genus and essentia. If we heed this, something astonishing strikes us: it is technology that demands of us to think what is ordinarily understood by "essence" in another sense. But in which?
1 1962: sich austeilt, und dorn Menschen sich entsprechend zuteilt.
1 1962: apportions itself, and correspondingly allots itself to humanity.
Schon wenn wir »Hauswesen«, »Staatswesen« sagen, meinen wir nicht das Allgemeine einer Gattung, sondern die Weise, wie Haus und Staat walten, sich verwalten, entfalten und verfallen. Es ist die Weise, wie sie wesen. J. P. Hebel gebraucht in einem Gedicht »Gespenst an der Kanderer Straße«, das Goethe beson- ders liebte, das alte Wort »die Weserei«. Es bedeutet das Rathaus, insofern sich dort das Gemeindeleben versammelt und das dörfli che Dasein im Spiel bleibt, d.h. west. Vom Zeitwort »wesen« stammt erst das Hauptwort ab. »Wesen«, verbal verstanden, ist das Selbe wie »währen«; nicht nur bedeutungsmäßig, sondern auch in der lautlichen Wortbildung. Schon Sokrates und Platon denken das Wesen von etwas als das Wesende im Sinne des Wäh- renden. Doch sie denken das Währende als das Fortwährende (άei öv). Das Fortwährende finden sie aber in dem, was sich als das Bleibende durchhält bei jeglichem, was vorkommt. Dieses Blei- bende wiederum entdecken sie im Aussehen (είδος, ίδέα), Ζ. B. in der Idee »Haus«.In ihr zeigt sich jenes, was jedes so Geartete ist. Die einzelnen wirklichen und möglichen Häuser sind dagegen wechselnde und vergängliche Abwandlungen der »Idee« und gehören deshalb zu dem Nichtwährenden.
Even when we speak of "household essence" [Hauswesen] or "state essence" [Staatswesen], we do not mean the universal of a genus but rather the manner in which house and state hold sway, administer themselves, unfold, and decline. It is the manner in which they essence [wesen]. J. P. Hebel uses the archaic word "die Weserei" in his poem "Ghost on the Kanderer Road," which Goethe particularly cherished. It signifies the town hall, insofar as communal life gathers there and village existence remains in play, i.e., essences. The noun "essence" [Wesen] is derived from the verb "to essence" [wesen]. "Essence," understood verbally, is the same as "to endure" [währen] – not only in meaning but also in phonetic formation. Socrates and Plato already think the essence of something as the essencing [Wesende] in the sense of the enduring [Währende]. Yet they conceive the enduring as the perpetual (ἀεὶ ὄν). They find the perpetual in what persists as the abiding through all that occurs. This abiding, in turn, they discover in the aspect (εἶδος, ἰδέα), for example, in the idea "house." Through it shows itself what every such entity is. By contrast, individual actual and possible houses are mutable and perishable modifications of the "idea" and thus belong to the non-enduring.
Nun ist aber auf keine Weise jemals zu begründen, daß das Währende einzig und allein in dem beruhen soll, was Platon als die ἰδέα, Aristoteles als το τί ην εἶνοα (jenes, was jegliches je schon war), was die Metaphysik in den verschiedensten Auslegungen als essentia denkt.
Yet there is no way whatsoever to ever substantiate that the enduring should reside solely in what Plato conceived as the ἰδέα, Aristotle as τὸ τί ἦν εἶναι (that which each thing already was), or what metaphysics thinks in various interpretations as essentia.
Alles Wesende währt. Aber ist das Währende nur das Fortwäh- rende? Währt das Wesen der Technik im Sinne des Fortwährens einer Idee, die über allem Technischen schwebt, so daß von hier aus der Anschein entsteht, der Name »die Technik« meine ein mythisches Abstraktum? Wie die Technik west, läßt sich nur aus jenem Fortwähren ersehen, worin sich das Ge-stell als ein Ge- schick des Entbergens ereignet. Goethe gebraucht einmal (Die Wahlverwandtschaften IL Teil, 10. Kap., in der Novelle »Die wunderlichen Nachbarskinder«) statt »fortwähren« das geheim- nisvolle Wort »fortgewähren«. Sein Ohr hört hier »währen« und »gewähren« in einem unausgesprochenen Einklang. Bedenken wir nun aber nachdenklicher als bisher, was eigentlich währt und vielleicht einzig währt, dann dürfen wir sagen: Nur das Gewährte währt. Das anfänglich aus der Frühe Währende ist das Gewäh rende.
All essencing endures. But is the enduring only the perpetual? Does the essence of technology endure in the sense of the perpetuation of an idea hovering above everything technological, thereby creating the semblance that the name "technology" refers to a mythical abstraction? How technology essences can only be discerned from that enduring wherein Enframing as a destining of revealing occurs. Goethe once uses (in Elective Affinities, Part II, Chapter 10, in the novella "The Curious Neighbor Children") the enigmatic word "fortgewähren" [enduring-granting] instead of "fortwähren" [perpetuate]. His ear hears here "to endure" [währen] and "to grant" [gewähren] in an unspoken harmony. If we now ponder more meditatively than before what actually endures and perhaps uniquely endures, we may say: Only what is granted endures. What endures from the primordial dawn is the granting.
Als das Wesende der Technik ist das Ge-stell das Währende. Waltet dieses gar im Sinne des Gewährenden? Schon die Frage scheint ein offenkundiger Mißgriff zu sein. Denn das Ge-stell ist doch nach allem Gesagten ein Geschick, das in die herausfor- dernde Entbergung versammelt. Herausfordern ist alles andere, nur kein Gewähren. So sieht es aus, solange wir nicht darauf ach- ten, daß auch das Herausfordern in das Bestellen des Wirklichen als Bestand immer noch ein Schicken bleibt, das den Menschen auf einen Weg des Entbergens bringt. Als dieses Geschick läßt das Wesende der Technik den Menschen in Solches ein, was er selbst von sich aus weder erfinden, noch gar machen kann; dennso etwas wie einen Menschen, der einzig von sich aus nur Mensch ist, gibt es nicht.
As the essencing of technology, Enframing is the enduring. Does this even hold sway in the sense of granting? The question already appears to be a glaring misstep. For according to all that has been said, Enframing is a destining that gathers into challenging unconcealment. Challenging is anything but granting. So it seems, as long as we fail to notice that even challenging, in the ordering of the real as standing-reserve, remains a sending that brings the human onto a path of unconcealment. As this destining, the essencing of technology admits the human into that which they can neither invent nor make of their own accord; for there is no such thing as a human who, solely from themselves, is merely human.
Allein, wenn dieses Geschick, das Ge-stell, die äußerste Gefahr ist, nicht nur für das Menschenwesen, sondern für alles Entber- gen als solches, darf dann dieses Schicken noch ein Gewähren heißen? Allerdings, und vollends dann, wenn in diesem Geschick das Rettende wachsen sollte. ledes Geschick eines Entbergens ereignet sich aus dem Gewähren und als ein solches. Denn dieses trägt dem Menschen erst jenen Anteil am Entbergen zu, den das Ereignis der Entbergung braucht. Als der so Gebrauchte ist der Mensch dem Ereignis der Wahrheit vereignet. Das Gewährende, das so oder so in die Entbergung schickt, ist als solches das Rettende. Denn dieses läßt den Menschen in die höchste Wür- de seines Wesens schauen und einkehren. Sie beruht darin, die Unverborgenheit und mit ihr je zuvor die Verborgenheit alles Wesens auf dieser Erde zu hüten. Gerade im Ge-stell, das den Menschen in das Bestellen als die vermeintlich einzige Weise der Entbergung fortzureißen droht und so den Menschen in die Ge fahr der Preisgabe seines freien Wesens stößt, gerade in dieser äußersten Gefahr kommt die innigste, unzerstörbare Zugehörig- keit des Menschen in das Gewährende zum Vorschein, gesetzt, daß wir an unserem Teil beginnen, auf das Wesen der Technik zu achten.
Yet if this destining, Enframing, is the utmost danger – not only for the human essence but for all unconcealment as such – may this sending still be called granting? Indeed, and all the more so when within this destining the saving power should grow. Every destining of unconcealment eventuates from granting and as such. For this alone first conveys to the human that share in unconcealment which the event of unconcealment requires. As the ones thus used, humans are enowned to the event of truth. The granting that sends forth into unconcealment in this or that way is as such the saving power. For it lets the human catch sight of and enter into the highest dignity of their essence. This dignity lies in safeguarding the unconcealment – and with it, always beforehand, the concealment – of all essence on this earth. Precisely in Enframing, which threatens to wrench the human into challenging as the supposedly sole mode of unconcealment and thereby thrusts them into the danger of surrendering their free essence – precisely in this utmost danger, the most intimate, indestructible belonging of the human to granting comes to appearance, provided that we for our part begin to heed the essence of technology.
So birgt denn, was wir am wenigsten vermuten, das Wesende der Technik den möglichen Aufgang des Rettenden in sich.
Thus, what we least expect, the essencing of technology harbors within itself the possible arising of the saving power.
Darum liegt alles daran, daß wir den Aufgang bedenken und andenkend hüten. Wie geschieht dies? Vor allem anderen so, daß wir das Wesende in der Technik erblicken, statt nur auf das Tech- nische zu starren. Solange wir die Technik als Instrument vorstel- len, bleiben wir im Willen hängen, sie zu meistern. Wir treiben am Wesen der Technik vorbei.
Therefore, everything depends on us thinking this arising and, in thinking, safeguarding it. How does this occur? Above all else by our catching sight of the essencing within technology, rather than staring only at the technical. As long as we represent technology as an instrument, we remain caught in the will to master it. We drift past the essence of technology.
Fragen wir indessen, wie das Instrumentale als eine Art des Kausalen west, dann erfahren wir dieses Wesende als das Ge- schick eines Entbergens.
Yet if we ask how the instrumental unfolds as a species of causality, we experience this essencing as the destining of an unconcealment.
Bedenken wir zuletzt, daß das Wesende des Wesens sich imGewährenden ereignet, das den Menschen in den Anteil am Ent- bergen braucht, dann zeigt sich:
When we ultimately consider that the essencing of essence eventuates in granting – which conveys the human into the share of unconcealment – it becomes evident:
Das Wesen der Technik ist in einem hohen Sinne zweideutig. Sol- che Zweideutigkeit deutet in das Geheimnis aller Entbergung, d. h. der Wahrheit.
The essence of technology is in a lofty sense ambiguous. Such ambiguity intimates the mystery of all unconcealment, i.e., of truth.
Einmal fordert das Ge-stell in das Rasende des Bestellens her- aus, das jeden Blick in das Ereignis der Entbergung verstellt und so den Bezug zum Wesen der Wahrheit von Grund auf gefährdet.
On one hand, Enframing provokes into the frenziedness of ordering, which obstructs all view into the event of unconcealment and thereby fundamentally endangers the relation to the essence of truth.
Zum anderen ereignet sich das Ge-stell seinerseits im Gewäh- renden, das den Menschen darin währen läßt, unerfahren bis- lang, aber erfahrener vielleicht künftig, der Gebrauchte zu sein zur Wahrnis des Wesens der Wahrheit. So erscheint der Aufgang des Rettenden.
On the other hand, Enframing itself eventuates in granting, which lets the human abide therein – inexperienced until now, yet perhaps more experienced in the future – as the ones used for the guardianship of truth's essence. Thus the arising of the saving power comes to appearance.
Das Unaufhaltsame des Bestellens und das Verhaltene des Ret- tenden ziehen aneinander vorbei wie im Gang der Gestirne die Bahn zweier Sterne. Allein, dieser ihr Vorbeigang ist das Verbor- gene ihrer Nähe.
The irrepressible force of ordering and the reservedness of the saving power pass each other by like the courses of two stars in their celestial paths. Yet this passing is the concealedness of their nearness.
Blicken wir in das zweideutige Wesen der Technik, dann er blicken wir die Konstellation, den Sternengang des Geheimnisses.
When we look into the ambiguous essence of technology, we behold the constellation, the stellar course of the mystery.
Die Frage nach der Technik ist die Frage nach der Konstella- tion, in der sich Entbergung und Verbergung, in der sich das Wesende der Wahrheit ereignet.
The question concerning technology is the question concerning the constellation in which unconcealment and concealment, in which the essencing of truth, eventuates.
Doch was hilft uns der Blick in die Konstellation der Wahr- heit? Wir blicken in die Gefahr und erblicken das Wachstum des Rettenden.
Yet what avails us the glimpse into the constellation of truth? We glimpse into the danger and behold the growth of the saving power.
Dadurch sind wir noch nicht gerettet. Aber wir sind daraufhin angesprochen, im wachsenden Licht des Rettenden zu verhoffen. Wie kann dies geschehen? Hier und jetzt und im Geringen so, daß wir das Rettende in seinem Wachstum hegen. Dies schließt ein, daß wir jederzeit die äußerste Gefahr im Blick behalten.
By this we are not yet saved. But we are addressed to place our hope in the dawning light of the saving power. How can this occur? Here and now and in the insignificant, by nurturing the saving power in its growth. This includes keeping the utmost danger in view at all times.
Das Wesende der Technik bedroht das Entbergen, droht mit der Möglichkeit, daß alles Entbergen im Bestellen aufgeht und alles sich nur in der Unverborgenheit des Bestandes darstellt.
The essencing of technology threatens unconcealment, imperiling the possibility that all unconcealment might culminate in ordering and that everything might present itself solely in the unconcealment of standing-reserve.
1 1962: das Eignis selbst
1 1962: the event itself
Menschliches Tun kann nie unmittelbar dieser Gefahr begegnen.. Menschliche Leistung kann nie allein die Gefahr bannen. Doch menschliche Besinnung kann bedenken, daß alles Rettende höhe- ren, aber zugleich verwandten Wesens sein muß wie das Gefähr dete.
Human action can never directly confront this danger. Human achievement can never alone avert the danger. Yet human reflection can ponder that everything saving must be of a higher but kindred essence than what is endangered.
Vermöchte es dann vielleicht ein anfänglicher gewährtes Ent- bergen, das Rettende zum ersten Scheinen zu bringen inmitten. der Gefahr, die sich im technischen Zeitalter cher noch verbirgt als zeigt?
Could an originary granted Unconcealing perhaps bring the saving power to its first shimmering within the danger, which in the technological age still conceals itself more than it reveals?
Einstmals trug nicht nur die Technik den Namen τέχνη. Einst- mals hieß τέχνη auch jenes Entbergen, das die Wahrheit in den Glanz des Scheinenden hervorbringt.
Once, not only technology bore the name τέχνη. Once, τέχνη also named that Unconcealing which brings forth truth into the radiance of what appears.
Einstmals hieß τέχνη auch das Hervorbringen des Wahren in das Schöne. Τέχνη hieß auch die ποίησις der schönen Künste.
Once, τέχνη also named the bringing-forth of the True into the Beautiful. Τέχνη also named the ποίησις of the fine arts.
Am Beginn des abendländischen Geschickes stiegen in Grie- chenland die Künste in die höchste Höhe des ihnen gewährten. Entbergens. Sie brachten die Gegenwart der Götter, brachten die Zwiesprache des göttlichen und menschlichen Geschickes zum Leuchten. Und die Kunst hieß nur τέχνη. Sie war ein einziges, vielfältiges Entbergen. Sie war fromm, προμος, d.h. fügsam dem Walten und Verwahren der Wahrheit.
At the inception of Western destiny, the arts in Greece ascended to the supreme height of the Unconcealing granted to them. They brought the presence of the gods, brought the dialogue of divine and human destinies to luminous manifestation. And art was simply called τέχνη. It was a single, manifold Unconcealing. It was pious, προμος, i.e., submissive to the swaying and preserving of truth.
Die Künste entstammten nicht dem Artistischen. Die Kunst- werke wurden nicht ästhetisch genossen. Die Kunst war nicht Sektor eines Kulturschaffens.
The arts did not originate from the artistic. Artworks were not aesthetically enjoyed. Art was not a sector of cultural production.
Was war die Kunst? Vielleicht nur für kurze, aber hohe Zeiten? Warum trug sie den schlichten Namen τέχνη? Weil sie ein her- und vor-bringendes Entbergen war und darum in die ποίησις ge- hörte. Diesen Namen erhielt zuletzt jenes Entbergen als Eigenna- men, das alle Kunst des Schönen durchwaltet, die Poesie, das Dichterische.
What was art? Perhaps only for brief but lofty epochs? Why did it bear the simple name τέχνη? Because it was a bringing-forth and forth-bringing Unconcealing and thus belonged to ποίησις. This name ultimately became the proper name for that Unconcealing which pervades all art of the Beautiful – poetry, the Poetic.
Der selbe Dichter, von dem wir das Wort holten:
The same poet from whom we took the words:
sagt uns:
tells us:
»Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch.«
“But where danger is, grows The saving power also.”
.... dichterisch wohnet der Mensch auf dieser Erde.«
“...poetically man dwells on this earth.”
Das Dichterische bringt das Wahre in den Glanz dessen, was Pla- ton im »Phaidros« το εκφανέστατον nennt, das am reinsten Her- vorscheinende. Das Dicherische durchwest jede Kunst, jede Ent- bergung des Wesenden ins Schöne.
The Poetic brings the True into the radiance of what Plato in the Phaedrus names το εκφανέστατον – that which shines forth most purely. The Poetic permeates every art, every Unconcealing of the essential into the Beautiful.
Sollten die schönen Künste in das dichterische Entbergen ge rufen sein? Sollte das Entbergen sie anfänglicher in den An spruch nehmen, damit sie so an ihrem Teil das Wachstum des Rettenden eigens hegen, Blick und Zutrauen in das Gewährende neu wecken und stiften?
Might the fine arts be called into Poetic Unconcealing? Might Unconcealing claim them more originarily, so that in their own way they may specially nurture the growth of the saving power, reawaken and establish sight and trust in the Granting?
Ob der Kunst diese höchste Möglichkeit ihres Wesens inmitten der äußersten Gefahr gewährt ist, vermag niemand zu wissen. Doch wir können erstaunen. Wovor? Vor der anderen Möglich- keit, daß überall das Rasende der Technik sich einrichtet, bis ei- nes Tages durch alles Technische hindurch das Wesen der Tech- nik west im Ereignis der Wahrheit.
Whether art is granted this highest possibility of its essence amidst the utmost danger, no one can know. Yet we may marvel. At what? At the other possibility – that everywhere the frenzy of technology entrenches itself until one day, through all that is technological, the essence of technology comes to presence in the event of truth.
Weil das Wesen der Technik nichts Technisches ist, darum muß die wesentliche Besinnung auf die Technik und die ent- scheidende Auseinandersetzung mit ihr in einem Bereich gesche- hen, der einerseits mit dem Wesen der Technik verwandt und. andererseits von ihm doch grundverschieden ist..
Because the essence of technology is nothing technological, the essential reflection upon technology and the decisive confrontation with it must occur in a realm that is, on the one hand, akin to the essence of technology and, on the other, fundamentally different from it.
Ein solcher Bereich ist die Kunst. Freilich nur dann, wenn die künstlerische Besinnung ihrerseits sich der Konstellation der Wahrheit nicht verschließt, nach der wir fragen.
Such a realm is art. To be sure, only if artistic reflection for its part does not close itself off from the constellation of truth about which we inquire.
Also fragend bezeugen wir den Notstand, daß wir das Wesende der Technik vor lauter Technik noch nicht erfahren, daß wir das Wesende der Kunst vor lauter Ästhetik nicht mehr bewahren. Je fragender wir jedoch das Wesen der Technik bedenken, um so geheimnisvoller wird das Wesen der Kunst.
Thus, through questioning, we attest to the emergency: that we do not yet experience the essence of technology because of technology itself; that we no longer safeguard the essence of art because of aesthetics. Yet the more questioningly we ponder the essence of technology, the more enigmatic the essence of art becomes.
Je mehr wir uns der Gefahr nähern, um so heller beginnen die Wege ins Rettende zu leuchten, um so fragender werden wir. Denn das Fragen ist die Frömmigkeit des Denkens.
The nearer we approach the danger, the brighter the paths into the saving power begin to shine, the more questioning we become. For questioning is the piety of thinking.
WISSENSCHAFT UND BESINNUNG1
SCIENCE AND REFLECTION1
1 wie Be-steigung
1 as in em-bankment
1 Aufbau
1 structure
1 die moderne Wissenschaft 40.
1 modern science p. 40.
I. Erläuterung (Wirklichkeit - Theorie) 42 ff. 55 I. Schritt
I. Elucidation (Reality - Theory) pp. 42 ff. 55 I. Step
II. Welcher unscheinbare Sachverhalt, verbirgt sich im Wesen der Wissenschaft II. Schritt
II. What inconspicuous matter lies concealed in the essence of science? II. Step
55-62 oben
55-62 above
das unzugängliche Unumgängliche
the inaccessible Inevitable
III. Was ist der unscheinbare Sachverhalt in sich selber
III. What is the inconspicuous matter in itself?
dazu ein neues Fragen nötig andersartig- jedoch in eine »Wegrichtungs
for this, a new questioning is necessary – of a different kind, yet into a "direction of the way"
(Sinn) gerissen - auf welchem Weg and Gang' welcher Sache
(meaning) torn – onto which path and course of which matter
Martin Heidegger
Martin Heidegger
Gesamtausgabe
Complete Edition
I. Abteilung: Veröffentlichte Schriften 1910-1976
Division I: Published Writings 1910-1976
Band 7
Volume 7
Vorträge und Aufsätze
Lectures and Essays
Vittorio Klostermann
Vittorio Klostermann
GESAMTAUSGABE
COMPLETE EDITION
I. ABTEILUNG: VERÖFFENTLICHTE SCHRIFTEN 1910-1976
DIVISION I: PUBLISHED WRITINGS 1910-1976
BAND 7
VOLUME 7
VORTRÄGE UND AUFSÄTZE
LECTURES AND ESSAYS
VORTRÄGE UND AUFSÄTZE
LECTURES AND ESSAYS
Dem einzigen Bruder
To my only brother
Dieser Band ist nur im Rahmen der Gesamtausgabe lieferbar.
This volume is available only as part of the Complete Edition.
© Vittorio Klostermann GmbH • Frankfurt am Main • 2000 Alle Rechte vorbehalten, insbesondere die des Nachdrucks und der Übersetzung. Ohne Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, dieses Werk oder Teile in einem photomechanischen oder sonstigen Reproduktionsverfahren oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten, zu vervielfältigen und zu verbreiten.
© Vittorio Klostermann GmbH • Frankfurt am Main • 2000 All rights reserved, including those of reprinting and translation. Without the publisher's permission, it is not permitted to process, reproduce, or distribute this work or parts thereof using photomechanical or other reproduction methods or electronic systems.
Satz: bl.och Verlag, Frankfurt am Main Druck: Hubert & Co., Göttingen Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier @ISO9706 Printed in Germany ISBN 3-465-05098-2 kt • ISBN 3-465-03099-0 Ln
Typesetting: bl.och Verlag, Frankfurt am Main Printing: Hubert & Co., Göttingen Printed on acid-free paper @ISO9706 Printed in Germany ISBN 3-465-05098-2 pb • ISBN 3-465-03099-0 hb
Vorwort
Preface
1
1
Die Frage nach der Technik (1953)
The Question Concerning Technology (1953)
5
5
Wissenschaft und Besinnung (1953)
Science and Reflection (1953)
37
37
Überwindung der Metaphysik (1936-1946)
Overcoming Metaphysics (1936-1946)
67
67
Wer ist Nietzsches Zarathustra? (1953)
Who is Nietzsche’s Zarathustra? (1953)
99
99
11
11
Was heißt Denken? (1952)
What is Called Thinking? (1952)
127
127
Bauen Wohnen Denken (1951)
Building Dwelling Thinking (1951)
145
145
Das Ding (1950)
The Thing (1950)
165
165
... dichterisch wohnet der Mensch ... (1951)
…poetically dwells man… (1951)
189
189
111
111
Logos (Heraklit. Fragment 50) (1951)
Logos (Heraclitus, Fragment 50) (1951)
211
211
Moira (Parmenides, Fragment VIII, 34 41) (1952)
Moira (Parmenides, Fragment VIII, 34 41) (1952)
235
235
Aletheia (Heraklit, Fragment 16) (1954)
Aletheia (Heraclitus, Fragment 16) (1954)
263
263
Hinweise
Notes
289
289
Nachwort des Herausgebers
Editor’s Afterword
293
293